Protest gegen Sparpaket
Demonstranten verwandeln Athen in Trümmerfeld
Athen brennt: In der Nacht zu Montag haben Demonstranten in der griechischen Hauptstadt Dutzende Brände gelegt. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, darunter viele Polizisten. Ministerpräsident Papademos rief zur Ruhe auf.
In Griechenlands Hauptstadt Athen haben Demonstranten zunächst friedlich gegen das umstrittene Sparprogramm protestiert. Dabei trat der Musiker Mikis Theodorakis auf.
Vermummte und Autonome haben in der Nacht zum Montag das Stadtzentrum Athens verwüstet. "Wir haben enorme Schäden", sagte der Bürgermeister der griechischen Hauptstadt Giorgos Kominis im Fernsehen. Die Hauptstraßen Panepistimiou, Stadiou, die Einkaufsstraßen Athinas und Ermou und der zentrale Syntagmaplatz vor dem Parlament sahen am Montagmorgen wie ein Trümmerfeld aus.
Die Müllabfuhr und dutzende Mitarbeiter der Stadt arbeiteten am Morgen auf Hochtouren, um die Trümmer zu beseitigen. 45 Gebäude wurden nach Feuerwehrangaben angesteckt. Einige davon brannten völlig aus. Zahlreiche Läden und Banken wurden schwer beschädigt und geplündert, darunter auch etliche historische Gebäude. Auch Kinos, Banken und eine Cafeteria wurden verwüstet. Es waren die schlimmsten Gewaltausbrüche seit 2008, als Griechenland nach tödlichen Polizeischüssen auf einen 15-jährigen Schüler in wochenlangen Unruhen versank.
Ampeln sowie Tische und Stühle von Straßencafés wurden von jugendlichen Randalierern mit Baseballschlägern zertrümmert. Empörte Händler standen am Morgen ratlos vor den Trümmern ihrer Geschäfte. Alle Parteien des Landes verurteilten die schweren Ausschreitungen und machten "dunkle Kreise" für das Chaos verantwortlich.
Bis zu 120 Menschen verletzt
Die schweren Ausschreitungen brachen am Rande einer völlig friedlichen Demonstration von etwa 100.000 Menschen aus, die am Sonntagabend vor dem Parlament in Athen gegen das harte Sparprogramm zur Rettung Griechenlands protestierten. Die Randalierer attackierten die Polizei, die Tränengas einsetzte. Die Gewalttäter verstreuten sich und zündeten in verschiedenen Teilen der Stadt Geschäfte und Banken an. Parallel behinderten sie nach Aussagen eines Sprechers der Feuerwehr die Feuerwehrleute bei der Brandlöschung.
Nach Krankenhausangaben wurden 74 Menschen verletzt, darunter 50 Polizisten, andere Quellen sprachen von bis zu 120 Verletzten. Mindestens 70 Demonstranten wurden ins Krankenhaus gebracht. 67 mutmaßliche Randalierer wurden verhaftet und weitere 70 Menschen in Gewahrsam genommen.
Zu Gewaltakten kam es auch in sechs anderen Städten des Landes. Am schlimmsten war es Polizeiangaben zufolge in der Stadt Volos in Zentralgriechenland, wo das Rathaus und Finanzamt in Brand gesteckt wurden.
Papedemos ruft zur Ruhe auf
Ministerpräsident Lukas Papademos erklärte, Vandalismus und Zerstörung hätten keinen Platz in einer Demokratie und würden nicht toleriert. "Ich rufe die Öffentlichkeit zur Ruhe auf. In diesen entscheidenden Zeiten haben wir nicht den Luxus für diese Art von Protest", sagte er im Parlament vor der Abstimmung. "Ich denke, allen ist der Ernst der Lage bewusst."
Das von den Abgeordneten verabschiedete Gesetz sieht weitere drastische Ausgabenkürzungen vor. Die Einsparungen sind Bedingung für die Auszahlung eines zweiten Rettungspakets in Höhe von 130 Milliarden Euro, ohne das Griechenland im März zahlungsunfähig wäre. Für das Gesetz stimmten 199 Abgeordnete, 74 votierten dagegen.
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