US-Vorwahlen
Mitt Romney führt, aber das Rennen bleibt offen
Mit einem doppelten Achtungserfolg holt sich Mitt Romney seine Favoritenrolle zurück. Doch er muss um seinen Ruf als "ernsthaft Konservativer" kämpfen.
Von Ansgar Graw
Nach einer dreifachen Niederlage gegen Rick Santorum bei Vorwahlen am Dienstag errang Mitt Romney, der Führende im Rennen um die republikanische Präsidentschaftsnominierung, am Samstag einen doppelten Achtungserfolg. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts gewann sowohl eine Probeabstimmung bei einer Konferenz konservativer Parteimitglieder in Washington wie auch einen Caucus im Bundesstaat Maine.
In beiden Wahlen ging es nicht um zusätzliche Delegierte. Aber die Siege des konservativen Katholiken Santorum in Colorado, Minnesota und Missouri hatten Romneys Favoritenrolle angekratzt und insbesondere die Zweifel an seiner Akzeptanz in konservativen Milieus verstärkt. Darum hätte eine weitere Niederlage Romney in ernste Schwierigkeiten bringen können.
Weniger als zwei Prozent der Republikaner geben Stimme ab
Im Neuengland-Staat Maine gewann Romney mit 39 Prozent nur knapp vor dem libertären texanischen Kongressabgeordneten Ron Paul, der 36 Prozent erreichte. Santorum, ein ehemaliger Senator aus Pennsylvania, kam auf 18 Prozent und Newt Gingrich, der einstige Sprecher des Repräsentantenhauses, auf lediglich sechs Prozent.
Nicht einmal 6000 Stimmen, das entspricht etwa zwei Prozent der dort registrierten Republikaner-Wähler, wurden abgegeben. Romney lag dabei nur um 194 Stimmen vor Paul. In dem zu fast 95 Prozent weißen Bundesstaat mit einer vergleichsweise geringen Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent (US-Durchschnitt: 8,3 Prozent) hatte Romney vor vier Jahren noch mit 52 Prozent deutlich gewonnen.
Damals allerdings galt Romney als konservative Alternative zum liberalen Favoriten John McCain, der schließlich von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Diesmal musste sich der inzwischen als moderat eingestufte Mormone in Maine, einem auf große Unabhängigkeit von der Bundesregierung pochenden Staat, gegen den libertären Paul und gegen den konservativen Santorum erwehren.
Paul, der vor allem mit der Forderung nach "weniger Regierung" und radikalen Budgetkürzungen antritt, hatte sich in Maine offenkundig Chancen auf einen Sieg ausgerechnet. Die Anhänger des texanischen Arztes kämpften dort intensiv für ihren Kandidaten.
Gingrich, Paul und Snatorum bleiben im Rennen
Romney wollte hingegen in der Annahme, Maine ohnehin auf seiner Seite zu haben, zunächst auf eine spezielle Kampagne in dem Bundesstaat verzichten. Erst Freitagnacht reiste er dann doch nach Portland, sprach dort auf einer kurzfristig angesetzten Wahlveranstaltung und schaltete Radio- und Fernsehspots.
Wie stark die Auswirkungen dieses späten Engagements waren, lässt sich schwer abschätzen, weil die Stimmabgabe in Maine eine ganze Woche lang möglich war.
Dass es nicht zum erhofften Sieg kam, dürfte im Lager Pauls für Enttäuschung gesorgt haben. Trotzdem kündigte der 76-Jährige an, er bleibe im Rennen. Auch Santorum und Gingrich wollen nicht aussteigen. Bei Santorum, der vor den drei Triumphen dieser Woche bereits den Caucus in Iowa gewonnen hatte, ist dies nicht verwunderlich.
Gingrich allerdings hat nach einem spektakulären Sieg bei den Primaries in South Carolina nicht wieder punkten können und wurde als Wortführer des konservativen Lagers erkennbar von Santorum abgelöst. Dennoch hat Gingrich mehrfach erklärt, er wolle seinen Wahlkampf weiterführen bis zur National Convention, dem Nominierungsparteitag am 27. August in Florida. Ob Gingrich dies finanziell durchhalten kann, ist ohne baldige Erfolge ausgesprochen fraglich.
Romney kämpft um Ruf als "ernstlich Konservativer"
Bei der CPAC-Konferenz (Conservative Political Action Conference) in Washington gewann Romney mit 38 Prozent vor Santorum, der auf 31 Prozent kam. Gingrich erreichte 15 und Paul, der als einziger der Kandidaten wegen seiner Veranstaltungen in Maine nicht vor den Teilnehmern aufgetreten war, 12 Prozent. Insgesamt wurden 3804 Stimmen gezählt.
Romney hatte sich in seiner Rede zurückblickend als "ernstlich konservativen Gouverneur" von Massachusetts bezeichnet und seine Anstrengungen um ausgeglichene Haushalte gerühmt. Zudem habe er dafür gesorgt, dass der Neuengland-Staat nicht zum "Las Vegas der Homosexuellen-Hochzeiten" wurde.
Santorum warf in seiner Rede Romney hingegen eine keineswegs konservative Politik vor. Er machte dies insbesondere an der Gesundheitsreform fest, die Romney in Massachusetts eingeführt hatte und die in vielen Punkten der Reform von Präsident Barack Obama auf Bundesebene ähnelt.
Doch die konservativen Konferenzteilnehmer folgten diesmal Romney, der sich anschließend durch seinen Sieg in der Probeabstimmung als "geehrt" bezeichnete.
Romney führt, aber das Rennen bleibt offen
In einer US-weiten Umfrage unter sich selbst als konservativ einstufenden Republikaner-Anhängern landete Romney mit 27 Prozent ebenfalls auf Platz 1. Dabei gewann er aber nur sehr knapp vor Santorum, der 25 Prozent erzielte. Gingrich (20 Prozent) und Paul (acht Prozent) folgten.
Bei den Vorwahlen hat Romney inzwischen 71 Delegiertenstimmen sicher. Gingrich folgt mit 23, Santorum kommt auf 13, Paul auf drei sichere Delegierte. Da zur Nominierung 1144 Stimmen nötig sind, kann sich jeder der vier Kandidaten weiterhin Chancen ausrechnen.
Ende Februar finden die nächsten Vorwahlen der Republikaner in Arizona und Michigan statt. Am 6. März werden dann im Rahmen des "Super-Tuesday" in zehn Bundesstaaten parallel 437 Delegierte gewählt. Dabei könnten Vorentscheidungen fallen.
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