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10.02.12

Gewalt in Syrien

Schwere Bombenexplosionen erschüttern Aleppo

Die Lage in Syrien wird immer prekärer. Während das Militär ins Homs offenbar mit Panzern, Mörsern und Artillerie gegen die Zivilbevölkerung vorgeht, ist es jetzt auch zu Anschlägen in der bislang ruhigen Metropole Aleppo gekommen. Mehrere Menschen mussten dabei sterben.

Die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo ist am Freitag von mindestens zwei Explosionen erschüttert worden. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden dabei mehrere Menschen getötet. Zudem habe es Verletzte unter der Zivilbevölkerung und Militärangehörigen gegeben. Die Staatsführung sprach wie in ähnlichen vorherigen Fällen von "terroristishcen" Angriffen. Menschenrechtsaktivisten berichteten von insgesamt drei Explosionen, von denen sich eine in der Nähe eines Gebäudes der Sicherheitskräfte ereignet habe.

In der Protesthochburg besetzte die Armee in der Nacht nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten ein Wohnviertel mit Panzern. Zudem durchsuche sie zahlreiche Wohnhäuser, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. seit etwa einer Woche von der syrischen Armee attackiert. Nach Angaben der Beobachtungsstelle starben allein am Donnerstag dort mehr als 50 Zivilisten – und hunderte Menschen während der gesamten Offensive.

Das Martyrium von Hama wiederholt sich in Homs

Die mit mehr als 650.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Syriens, Homs, erleidet heute das Schicksal von Hama vor 30 Jahren. Damals hatte Assads Vorgänger und Vater Hafis al-Assad wochenlang den Widerstand in der Stadt mit 300.000 Einwohnern zusammenschießen lassen. Die Weltöffentlichkeit bekam damals zunächst kaum etwas davon mit.

Bisher wurden in Homs nach Angaben syrischer Oppositioneller mehr als 2850 Menschen getötet – Tendenz schnell steigend. Wie viele Tote es 1982 in Hama gab, ist unklar. Syrische Exilpolitiker um den ehemaligen Staatspräsidenten Amin al-Hafin sprachen 1983 von 35.000 bis 38.000 Toten. Die heutigen Schätzungen bewegen sich zumeist zwischen 10.000 und 30.000 Toten.

Hama war eine Hochburg der sunnitischen Muslimbruderschaft, die in Syrien verboten war. Die Opposition umfasste aber auch panarabische Nationalisten. Assads laizistische Baath-Partei sah die Muslimbrüder, die die Einheit von Religion und Staat forderten, als Bedrohung an und unterdrückte sie blutig. Die Islamisten versuchten ihrerseits, Assads Regime mit Terroranschlägen zu destabilisieren.

Im Februar 1982 brachen in Hama schwere Unruhen aus. Assads Truppen riegelten mehrere Stadtviertel ab und gingen mit schweren Waffen gegen die Islamisten vor, die ihrerseits alle Syrer zum Aufstand aufriefen. Mehr als zwei Wochen lang wurde die Stadt im Nordwesten Syriens bombardiert und beschossen, auch die Altstadt. Es kam zu Massakern. Am Ende war der Widerstand gebrochen. Oppositionelle wurden eingekerkert, die Muslimbewegung war praktisch zerschlagen.

Mehr als 6000 Tote

Jetzt scheint sich die Geschichte in Homs zu wiederholen. Seit Beginn des Aufstandes gegen Assad wurde die Stadt 160 Kilometer nördlich von Damaskus zum Ziel massiver Angriffe der syrischen Armee. Anders als in Hama steht das Blutbad in der alten Seidenstadt Homs allerdings im Fokus der Weltöffentlichkeit. Auch die – wie damals ideologisch uneinheitliche – Opposition findet im Ausland viel mehr Widerhall.

Die Geschichte von Homs nahe der Grenze zum Libanon reicht bis ins Jahr 2300 vor Christus zurück. Die nahe gelegene mittelalterliche Kreuzritterburg "Krak des Chevaliers" zählt zum Weltkulturerbe der Unesco.

Seit Beginn der Niederschlagung der Proteste Mitte März wurden in Syrien Menschenrechtsgruppen zufolge mehr als 6000 Menschen getötet. Der UN-Sicherheitsrat einigte sich wegen der Weigerung Russlands und Chinas bislang nicht auf zur Verurteilung des gewaltsamen Vorgehens der Anhänger von Präsident Baschar al-Assad gegen die Opposition.

Syrische Oppositionelle fordern mehr Hilfe von Deutschland

Vertreter der syrischen Opposition haben an die internationale Gemeinschaft appelliert, gegen das Blutvergießen in Syrien einzuschreiten und härtere Sanktionen zu verhängen. Die Staatengemeinschaft müsse gemeinsam intervenieren, um den Schutz der syrischen Bevölkerung zu gewährleisten, sagte Ferhad Ahma vom Syrischen Nationalrat (SNC) am Freitag in Berlin. Humanitäre Maßnahmen seien dringend nötig. Seit vergangenem Samstag seien in Syrien mindestens 750 Zivilisten durch Vertreter des Regimes getötet worden. Die Sicherheitskräfte gingen mit Panzern, Mörsern und Artillerie gegen die Zivilbevölkerung vor. Hozan Ibrahim vom SNC-Generalsekretariat stellte klar, dass der SNC keine militärische Intervention fordere. Zuerst müssten härtere politische und wirtschaftliche Sanktionen verhängt werden, eine militärische Intervention dürfe nur das letzte Mittel sein.

Die Sicherheitskräfte von Präsident Bassar al-Assad machten sich ganz klar der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig, erklärte Ahma. Es gebe Massenhinrichtungen, Massenverhaftungen, Vergewaltigungen und Folter. Die internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass sich Assad vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Verantwortung gezogen werde.

Elias Perabo, der Initiator des Projekts "Adopt a Revolution" forderte die Bundesregierung auf, die Opposition in Syrien deutlich stärker als bisher zu unterstützen. So könne Deutschland verletzte Regime-Gegner, die sich in die Türkei oder den Libanon geflüchtet hätten, ausfliegen und in deutschen Krankenhäusern behandeln. Außerdem könne die Bundesregierung es Regime-Gegnern erleichtern, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Deutschland hatte zuletzt den diplomatischen Druck auf die Regierung in Damaskus verstärkt und vier Mitarbeiter der syrischen Botschaft ausgewiesen. Die EU bemüht sich unterdessen weiter, Russland doch noch umzustimmen

Quelle: dpa/AFP/Reuters/nbo
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