Gewaltsamer Protest
Wieder Tote bei Straßenschlachten in Ägypten
Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei sind am Freitag in Ägypten mindestens vier Menschen getötet und über 1.500 weitere verletzt worden. In der Hauptstadt Kairo schleuderten Demonstranten Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei feuerte mit Tränengas in die Menge.
In Ägypten haben sich Demonstranten und Sicherheitskräfte zwei Tage nach den Fußball-Krawallen heftige Auseinandersetzungen geliefert. In der Hauptstadt Kairo erstickten dabei nach Angaben von Ärzten am Freitag zwei Demonstranten an Tränengas, in Suez wurden am Abend zuvor zwei Demonstranten erschossen. Auf dem Sinai wurden kurzzeitig zwei US-Touristinnen und ihr ägyptischer Reiseführer entführt.
In Kairo ging die Polizei mit Tränengas gegen die steinewerfenden Demonstranten nahe des Innenministeriums vor. Maskierte Demonstranten bahnten sich Wege durch Absperrungen aus Stacheldraht und entzündeten Feuer in einer Straße im Stadtzentrum. In einem Regierungsgebäude gegenüber vom Innenministerium brach Feuer aus, wie das Staatsfernsehen berichtete. Angaben zur Brandursache wurden nicht gemacht, Sicherheitskreisen zufolge waren aber kurz zuvor Unbekannte in das Gebäude eingedrungen.
Bewaffnete Angreifer stürmten nach Angaben von Sicherheitskräften eine Polizeistation in Kairo und befreiten Gefangene. Anschließend setzten die mit Maschinenpistolen bewaffneten Männer die Polizeistation in Brand, wie ein Sicherheitsbeamter sagte. Der Vorfall ereignete sich demnach im östlichen Stadtteil Al-Marg.
Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos versammelten sich tausende Menschen und riefen Slogans gegen den regierenden Militärrat. Nach den Freitagsgebeten zogen Demonstranten von den Moscheen in Richtung des Parlamentsgebäudes, um den Rücktritt der seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak regierenden Generäle zu fordern.
Knapp 550 Menschen am Freitag verletzt
Laut Innenministerium wurden am Freitag knapp 550 Menschen bei Protesten verletzt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mena erlag ein am Vortag vor dem Innenministerium verletzter Soldat am Freitag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Auch in Suez setzten Beamte Rauchbomben und Tränengas gegen Protestierende ein. Dort wurden am Donnerstagabend bei einem Polizeieinsatz gegen Demonstranten zwei Menschen erschossen. Auch in Alexandria und Port Said gingen tausende aus Protest gegen den Militärrat auf die Straße.
Auslöser der Proteste waren Ausschreitungen nach einem Fußballspiel in Port Said, bei denen am Mittwoch 74 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden waren. Fans der Mannschaft Al-Masry aus Port Said waren auf das Spielfeld gestürmt und hatten Spieler und Anhänger der gegnerischen Mannschaft Al-Ahly aus Kairo angegriffen. Die bei der Parlamentswahl siegreichen islamistischen Muslimbrüder sprachen von politisch motivierter Gewalt.
Seit dem Volksaufstand gegen Mubarak vor einem Jahr kommt es immer wieder zu blutigen Unruhen in Ägypten, die Sicherheitslage in dem Land ist äußerst gespannt. Eine Entführung von zwei US-Touristinnen durch Beduinen auf dem Sinai ging dagegen am Freitag glimpflich aus: Die beiden Frauen und ihr ägyptischer Reiseführer wurden nach Verhandlungen mit den Entführern nach wenigen Stunden freigelassen, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Die Touristinnen blieben unversehrt. Erst am Samstag war ein französischer Tourist bei einem bewaffneten Überfall im Badeort Scharm el Scheich getötet und ein Deutscher verletzt worden.
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