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30.01.12

Neue Gewalt

Mindestens 62 Menschen sterben in Syrien

Kurz nach dem Abbruch der arabischen Beobachtermission scheint sich die Situation in Syrien wieder zu verschärfen. Laut Aktivisten sind allein am Sonntag mindestens 62 Menschen bei Kämpfen zwischen Assad-Truppen und Regimegegnern ums Leben gekommen.

Nach dem Abbruch der Beobachtermission der Arabischen Liga ist es in Syrien erneut zu Gewaltausbrüchen gekommen. Menschenrechtsaktivisten zufolge sind am Sonntag landesweit mindestens 62 Menschen getötet worden, darunter 27 Zivilisten. Die meisten Toten habe es bei Kämpfen um Damaskus gegeben, erklärte die in London ansässige Organisation Syrian Observatory for Human Rights.

Die freie syrische Armee habe sich aus taktischen Gründen zunächst zurückgezogen, sagte ein Regierungsgegner. Die Truppen von Präsident Baschar Al-Assad hätten die Vororte der Hauptstadt besetzt, gingen von Haus zu Haus und nähmen Menschen fest, sagte ein Aktivist. Einen Tag nach dem Stopp des arabischen Beobachter-Einsatzes schickte Assad am Sonntag Hunderte Soldaten in die von Rebellen kontrollierte Außenbezirke der Hauptstadt. Bei dem Einmarsch mit gut 50 Panzern seien mindestens 19 Zivilisten getötet worden, sagten Regierungsgegner.

In den Vororten von Damaskus werde heftig gekämpft, teilte die Menschrechtsorganisation mit. Die Regierungstruppen hätten in einige Gebiete eindringen können, in anderen seien sie aber von starkem Widerstand von oppositionellen Deserteuren zunächst aufgehalten worden, hieß es.

Kontrollverlust oder Gegenschlag?

Die Kämpfe sind in den vergangenen Wochen immer näher an die Hauptstadt herangerückt. Abtrünnige Soldaten eroberten vor allem am östlichen Stadtrand mehrere Vororte, die syrische Streitkräfte mit einer neuen Offensive zurückerobern wollen. Seit Donnerstag sind dabei nach Angaben von Aktivisten mindestens 150 Menschen ums Leben gekommen.

Beobachter werteten die Annäherung von bewaffneten Oppositionellen an Damaskus als Zeichen, dass das Regime entweder beginnt, die Kontrolle zu verlieren oder für einen harten Gegenschlag abwartet. Einige der Kämpfe vom Sonntag spielten sich in Ein Tarma ab, das weniger als vier Kilometer von Damaskus entfernt liegt.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights wurden am Sonntag in Syrien 27 Zivilisten getötet, die meisten von ihnen in den Vororten von Damaskus und in der Stadt Homs, einer der Hochburgen der Proteste. 26 Soldaten und neun Deserteure seien ebenfalls rund um die Hauptstadt und in der nordsyrischen Stadt Idlib ums Leben gekommen, hieß es weiter. Eine zweite Aktivistengruppe, die örtlichen Koordinationskomitees, bezifferten die Zahl der Toten am Sonntag mit 50. Nicht mitgezählt seien dabei aber getötete Soldaten, hieß es.

Westerwelle dringt in Jordanien auf Syrien-Resolution

Angesichts der Eskalation der Gewalt in Syrien plädierte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle eindringlich für eine Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen das Regime von Präsident Assad. Das Engagement und das Votum der Arabischen Liga seien Anlass für alle Partner im Sicherheitsrat, noch einmal ihre Haltung zu überdenken und sich einer gemeinsamen Entscheidung nicht länger in den Weg zu stellen, sagte Westerwelle nach einem Treffen mit seinem jordanischen Amtskollegen Nasser Dschudeh in der jordanischen Hauptstadt Amman. Das gelte gerade für jene, die einer Resolution derzeit noch zurückhaltend gegenüberstünden. "Die Arabische Liga spielt eine Schlüsselrolle", betonte der FDP-Politiker. An deren Votum sollte der Sicherheitsrat nicht vorbeigehen.

Das Regime von Assad geht seit Monaten mit brutaler Gewalt gegen die Opposition vor. Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn der Proteste im vergangenen März mindestens 5400 Menschen getötet worden. Innerhalb von drei Tagen kamen nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wieder etwa 100 Menschen ums Leben. Wegen der eskalierenden Gewalt hat die Arabische Liga ihre Beobachtermission in dem Land vorerst gestoppt. Eine Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen die syrische Führung scheiterte bislang am Widerstand Chinas und vor allem Russlands.

Quelle: dapd/rtr/dpa/bee
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