Razzia in Brandenburg
Fahnder fassen mutmaßlichen SS-Kriegsverbrecher
Die Waffen-SS hat 1944 im französischen Oradour Frauen und Kinder des Ortes - auch Babys - in eine Kirche gesperrt und diese dann gesprengt. Viele Täter blieben unentdeckt. Nun stießen Fahnder mithilfe von Stasiakten auf Verdächtige – einer davon in Brandenburg.
Mehr als 67 Jahre nach dem Massaker der Waffen-SS an den Bewohnern des französischen Ortes Oradour-sur-Glane haben Ermittler eine Wohnung in Brandenburg durchsucht. Der 86-Jährige aus dem Landkreis Märkisch-Oderland gehört zu bundesweit insgesamt sechs Verdächtigen. Weitere Wohnungen wurden in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen durchsucht.
Sie sollen als Angehörige einer Waffen-SS-Einheit an der Ermordung von 642 Menschen, darunter überwiegend Frauen und Kinder, beteiligt gewesen sein, sagte Staatsanwalt Andreas Brendel am Montag in Dortmund. Die Ermittlungen seien durch einen Hinweis der Stasi-Unterlagenbehörde ins Rollen gekommen.
Dort waren in DDR-Akten Spuren auf die damals 18 und 19 Jahre alten Männer entdeckt worden. Die Beschuldigten, gegen die wegen Beihilfe zum Mord ermittelt werde, hätten ihre Tatbeteiligung bestritten oder seien nicht vernehmungsfähig gewesen. Wesentliche Beweismittel seien bei den Durchsuchungen nicht entdeckt werden. Man habe gehofft, Tagebücher, Dokumente oder Fotos aus der damaligen Zeit sicherstellen zu können.
Neben dem Verdächtigen aus Brandenburg leben weitere im Großraum Hannover, in Köln, im Raum Bielefeld und im Raum Darmstadt. Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg haben die Durchsuchung im Landkreis Märkisch-Oderland Ende Oktober unterstützt, so ein Behördensprecher in Potsdam. Die Federführung liege jedoch bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft. Dort ist die Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen in Nordrhein-Westfalen angesiedelt.
In der DDR unter falschem Namen untergetaucht
In Brandenburg hatte auch der Kriegsverbrecher Heinz Barth bis zu seinem Tod 2007 in Gransee (Oberhavel) gelebt. Der frühere Obersturmführer der Waffen-SS war zunächst in der DDR lange Zeit unter falschen Namen unerkannt geblieben. 1983 war er dann von einem DDR-Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1997 kam er frei. Weil Barth im Krieg schwer verwundet worden war, erhielt er nach dem Fall der Mauer als Versehrter von 1991 bis 1998 eine Zusatzrente. Dies hatte für Empörung gesorgt.
Frauen und Kinder gesprengt
Die Waffen-SS war am 10. Juni 1944 in den französischen Ort eingefallen und hatte fast die gesamte Bevölkerung ermordet. Frauen und Kinder - auch Babys - wurden in eine Kirche gesperrt, die dann gesprengt und angezündet wurde. Die Männer des Ortes wurden in Scheunen und Garagen getrieben und dort erschossen. Sämtliche Häuser wurden von der SS angezündet. Der völlig zerstörte Ortskern wurde nicht wieder aufgebaut und ist noch heute eine Mahn- und Gedenkstätte.
Anlass des Massakers soll die Gefangennahme eines SS-Sturmbannführers durch Widerstandskämpfer gewesen sein. Wegen der Gräueltat hatte es Gerichtsprozesse in Frankreich und in der DDR gegeben. In der Bundesrepublik war zwar mehrfach ermittelt worden, die Ermittlungen mündeten aber nie in eine Anklage.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Estland: Russland empört über Einstellung von NS-Prozess
- John Demjanjuk: NS-Kriegsverbrecher will Arzneigeld einklagen
- Haftbefehl ausgestellt: Serbien jagt angeblich tote Ex-KZ-Aufseherin
- Prozess in Italien: Deutsche NS-Täter zu lebenslanger Haft verurteilt
- Zigtausendfacher Mord: John Demjanjuk zu fünf Jahren Haft verurteilt
-
24.05.2012Urheberrecht: Das Mittelstandsunternehmen BossHoss braucht das...
-
24.05.2012Griechenland-Umfrage: Linksbündnis Syriza überholt Konservative
-
24.05.2012Fluglärm: Tegel-Anwohner zwischen Gelassenheit und Entsetzen
- 1. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 2. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 3. Schuldenkrise Keine Annäherung zwischen Merkel und Hollande
- 4. Hochzeit in Berlin Bushido und Anna-Maria Lagerblom haben geheiratet
- 5. Attacke im Bahnhof Mordkommission sucht den Schläger vom Alexanderplatz














