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19.11.11

Sicherheitskonferenz in Halifax

Guttenberg meldet sich mit Merkel-Schelte zurück

Beim ersten öffentlichen Auftritt nach dem Rücktritt teilt Karl-Theodor zu Guttenberg gegen seine Ex-Kollegen aus. Dabei wirkt er wie ein dicklicher Lothar Matthäus.

dapd/DAPD

So kannte man Guttenberg, bevor er mit seiner Familie in die USA ging. Doch mit dem neuen Wohnort...

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Ohne ein Wort an die seinetwegen versammelten deutschen Journalisten hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen ersten öffentlichen Auftritt seit dem Rücktritt Anfang März absolviert. Offenkundig wollte sich KTG mit seiner Beteiligung am dritten "Internationalen Sicherheitsforum" in Halifax wieder vorsichtig auf die internationale politische Bühne zurückwagen. An einem Comeback in Deutschland scheint der CSU-Politiker noch nicht interessiert. Mindestens solange die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Hof gegen ihn laufen.

Guttenberg trat bei einer Podiumsdiskussion über die Folgen der Finanzkrise für die Sicherheitspolitik und die Militärhaushalte auf. Er begann mit einem regelrecht aggressiven Statement über die Befindlichkeit Europas. Er sei "sehr pessimistisch" über mittel- und langfristige Aussichten, die Strukturen der Eurozone zu reformieren. "Es kann kaum schlimmer werden", sagte Guttenberg.

Er sehe "keine Kreativität" im Prozess, etwa bei der Frage der demografischen Entwicklung. "Kein Politiker in Europa zeigt genügend Gefühl und Verständnis für die Menschen. Das klingt banal, ist aber Teil der Wahrheit." Es gebe nicht nur eine Schuldenkrise, sondern eine Krise der politischen Führung." Bei Angela Merkel dürfte er sich damit nicht für neue Aufgaben empfehlen.

Karl-Theodor zu Guttenberg (39), der früher solche Auftritte elegant bewältigt hatte, wirkte verspannt und betont ernst. Er hat Gewicht zugelegt in seinem amerikanischen Exil, und eine neue nicht gegelte Frisur lässt ihn verblüffend an einen jüngeren, leicht formschwachen Lothar Matthäus denken. Sein Englisch ist fließend und kompetent , den deutschen Akzent kann es nicht leugnen. Guttenberg spricht "integral" sogar falsch als "intiiiigral" aus. An das makellose Staatsmann-Englisch von etwa Helmut Schmidt kommt es nicht heran.

Vernichtender Kommentar zu Westerwelle

Guttenbergs kaum verhohlene Kritik auch an der deutschen Regierung wurde am deutlichsten in einem vernichtenden Kommentar zu der Entscheidung, sich aus der Nato-Aktion in Libyen herauszuhalten. In der Andeutung blieb sein alter "Freund" Guido Westerwelle ungenannt, war aber klar das Ziel: "Als ehemaliger Kabinettsminister muss ich mich diplomatisch ausdrücken. Meine wirklichen Gefühle sehen anders aus." Es gab keinen Zweifel, dass er die deutsche Auszeit in Libyen für eine katastrophale Fehlentscheidung hielt.

Aber auch die USA nahm er nicht von Kritik aus: "Dies ist nicht die Zeit, romantisch über den Atlantik zu schauen. Die US-Regierung ist viel mehr auf den Pazifik konzentriert als auf den Atlantik." Guttenberg warnte vor der Schließung von US-Stützpunkten in Deutschland. Für die deutschen Gefühle in der Frage, wie eng sie noch den Amerikanern verbunden sind, hätte ein solcher Schritt enorme Folgen. Es fehle unter den jungen Männern in der US-Regierung offenkundig die Erfahrung, in Deutschland stationiert zu sein.

Nach 75 Minuten war die Podiumsdebatte beendet. Karl-Theodor zu Guttenberg verschwand aus dem Blickfeld so diskret wie er nach Halifax gekommen war.

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