Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
30.05.11

Verzicht auf Kernkraft

Frankreich staunt über die deutsche Energieromantik

Die Franzosen finden die deutsche Entscheidung zur Energiewende irrational, freuen sich aber über ihre dadurch verbesserten Wirtschaftsperspektiven.

© dpa/DPA
AKW Cattenom

Die Entscheidung der Bundesregierung, bis 2022 endgültig aus der Kernenergie auszusteigen , ist in Frankreich äußerst reserviert aufgenommen worden. Die Direktorin des französischen Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, nannte den Beschluss eine "absolut politische Entscheidung".

Dies soll bedeuten, dass es aus Sicht von Frau Lauvergeon zwar politische Gründe geben möge, aus der Kernenergie auszusteigen, aber keine rationalen: "Es gab kein Referendum, keine Befragung der öffentlichen Meinung, auch wenn die Umfragen die Gefühlslage der Deutschen zeigen", sagte die Areva-Chefin dem Sender BFM.

Sie habe diese "spezifisch deutsche Reaktion erwartet", die Einstellung der Deutschen zur Atomenergie finde sich "in der ganzen Welt kein zweites Mal." Sie hätte auch sagen können, dass sie die Deutschen für hysterisch hält.

Zweifel an "unwiderruflichem" Ausstieg

Die 52-jährige Spitzenkraft der französischen Nuklearindustrie ist indes noch nicht überzeugt, dass der Ausstieg so "unwiderruflich" sein wird, wie Norbert Röttgen behauptet. "Bis 2022 kann eine Menge passieren", warnte Frau Lauvergeon und verwies auf die offenen rechtlichen Fragen. Der Ausstieg wird ihrer Meinung nach zu einer "bedeutenden Verteuerung von Energie in Deutschland führen" und "Konsequenzen für den Industriestandort haben".

Auch dies ist ein Grund, warum man in Frankreich den deutschen Ausstieg mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit vor der Energieromantik der Nachbarn und Dankbarkeit in Bezug auf die dadurch anscheinend verbesserten französischen wirtschaftlichen Perspektiven betrachtet.

Auch aus Schweden kommt Kritik

Kritisiert wird aber auch die deutsche "Scheinheiligkeit", den Ausstieg zu verkünden und weiter Atomstrom aus Frankreich zu beziehen. Die Vorsitzende des Unternehmerverbandes Medef, Laurence Parisot, hat den deutschen Entschluss als gravierend für Deutschland wie für Europa bezeichnet und fragt sich: "Hat Deutschland diese Entscheidung in dem Wissen getroffen, dass es weiterhin Nuklearstrom aus Frankreich beziehen wird? Das wäre dann das, was man das Prinzip des blinden Passagiers nennen könnte. Oder steht dahinter im Gegenteil ein gigantischer Plan der technologischen Erneuerung?"

Auf deutliche Kritik stößt der deutsche Kurs auch in Schweden. Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren hält die Festlegung auf das konkrete Datum 2022 für einen Fehler. "Damit riskiert man, die allerwichtigste Frage außer Acht zu lassen, nämlich wie wir möglichst schnell erneuerbare Energien ausbauen können", so Carlgren.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Inventor of TV remote control dies at age 96
Erfinder der Couch-Potato

Ohne Eugene Polley gäbe es keinen gemütlichen TV-Abend.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote