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01.05.11

Doppelberichterstattung

Liberale - ARD und ZDF verschwenden Gebühren

Der medienpolitische Sprecher der FDP, Burkhardt Müller-Sönksen, rügt die doppelte Übertragung der Hochzeit von Kate und William im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sie sei mit großem Personalaufwand erfolgt und habe Kosten in Millionenhöhe verursacht.

© picture-alliance / Sven Simon
Burkhardt Müller-Sönksen
Der medienpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Burkhardt Müller-Sönksen

Morgenpost Online: Die Hochzeit von Kate und William wurde von ARD und ZDF übertragen – mehr als sechs Stunden. Was halten Sie davon?

Burkhardt Müller-Sönksen: Ich selbst habe bei dieser englischen Hochzeit zwischen N24, RTL und BBC gezappt und finde es großartig, dass die Hochzeit bei vielen Bürgern so gut angekommen ist. Aber dass gleich beide öffentlich-rechtlichen Sender mit großem Personalaufwand, Kosten in jeweiliger Millionenhöhe und trotz aller Adelsexperten am Ende doch das Gleiche gesendet haben, ist weder Qualitätsfernsehen, noch entspricht es dem gemeinsamen Programmauftrag. ARD und ZDF haben hier schlicht Gebühren verschwendet. Die Intendanten können sich nicht mehr hinter den Programmdirektoren oder Chefredakteuren verstecken.

Morgenpost Online: Kommt das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinem staatlichen Auftrag nach?

Müller-Sönksen: Eine solche Berichterstattung kann man den Öffentlich-Rechtlichen sicherlich nicht grundsätzlich verwehren. Die Kritik der FDP richtet sich an dieser Stelle an die unerhörte Weigerung der Intendanten, die Berichterstattung auf einen öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal zu beschränken. Dieses in Anbetracht der hohen Kosten, aber auch in Anbetracht von Programmvielfalt, welche ein wesentlicher Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrages ist.

Morgenpost Online: ARD und ZDF wollen kostenlose Apps anbieten.

Müller-Sönksen: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten sich auf die Verbreitung von bewegten Bildern und Ton beschränken. Das bewährte "duale System" zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern bekommt durch das Zusammenwachsen der Medien im Internet eine dritte Säule: Die Zeitungen erhalten durch solche textlastigen Internetangebote für Smartphones Konkurrenz. Die Schutzbehauptung der Sender, sie seien doch gar nicht so wettbewerbsverzerrend erfolgreich, kommt eher einer Selbstanzeige für Gebührenverschwendung gleich beziehungsweise ist ein Fall für einen Rechnungshof eines Bundeslandes.

Morgenpost Online: ZDF-Intendant Markus Schächter will jetzt, so sagt er, "großes Geld im Video-on-Demand-Bereich verdienen".

Müller-Sönksen: Nette Idee, wenn öffentlich-rechtliche Sender im Internet mit Gebührengeldern Privatsender spielen wollen. Etwas anderes wäre eine solche Plattform nicht, denn es gibt solche Video-on-Demand-Angebote im Internet bereits – privat organisiert. Der nächste Schritt eines Zentralsekretärs VEB-Rundfunk wäre konsequent die Herstellung und der Vertrieb von TV-Geräten, Satelliten und Kabelnetzen. Die Unkultur der Tochtergesellschaften öffentlich-rechtlicher Fernsehsender würde weiter wachsen.

Morgenpost Online: Zuletzt hat das ZDF auch die Rechte für die Champions League gekauft

Müller-Sönksen: Auch hier hat das ZDF den Bogen überspannt. Internationale Sportveranstaltungen von Spitzen-Profi-Klubs machen zwar von selbst und anstrengungsfrei Quote. Die Champions League wäre bei den Privaten gebührenfrei genauso gut aufgehoben. Das ZDF sollte durch intelligente Programmaufträge attraktive Programme selbst erarbeiten beziehungsweise in Auftrag geben und nicht mit treuhänderisch verwalteten Gebührengeldern international teuer auf Shopping-Tour gehen.

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