Cyber-Mobbing
Familienministerin - Isharegossip wird indiziert
Die Mobbing-Plattform kommt auf den Index. Das kündigte Familienministerin Christina Schröder (CDU) an. Folge: Google, Bing, Yahoo und andere Suchmaschinen sperren das Läster-Netzwerk demnächst aus.
Von André Pätzold
Die nach einem Gewaltakt unter Schülern in die Schlagzeilen geratene Mobbing-Internetsite isharegossip kommt auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM, www.bundespruefstelle.de ).Das kündigte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in Berlin an. Indizierte Internetseiten können auf den deutschen Versionen bekannter Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo nicht mehr ohne weiteres gefunden werden. Der Zugriff auf die Seite ist im Internet aber weiterhin problemlos möglich.
Die Plattform für Gerüchte hatte in den vergangenen Monaten durch öffentliche Hetztiraden von Jugendlichen und Beleidigungen Aufsehen erregt. Als Folge des Internet-Mobbings gilt ein Vorfall in Berlin, bei dem eine Gruppe von Jugendlichen am vergangenen Samstagabend im Berliner Stadtteil Wedding einen 17-Jährigen krankenhausreif prügelte. Der Misshandelte hatte seine Freundin vor Verunglimpfungen schützen wollen. Die sechs größten Suchmaschinen in Deutschland hatten sich 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereiterklärt, indizierte Seiten nicht mehr in den Suchergebnislisten anzuzeigen. Allerdings dauert die technische Umsetzung einer Sperrung mehrere Tage.
Das Familienministerium hatte schon vor den jüngsten Berliner Vorfällen bei die BpjM zuvor ersucht, eine Indizierung der Seite zu prüfen. Eine entsprechende Mitteilung hatte die BpjM an eine Adresse in Schweden per Einschreiben verschickt. Dort steht der Server, auf dem Isharegossip betrieben wird. Der Betreiber selbst war nicht zu ermitteln. Die zuständige Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) hatte den Antrag und am 2. März und die Indizierung von Isharegossip veranlasst. Die KJM ist inhaltlich für die Bewertung fraglicher Internetangebote verantwortlich und beauftragt die Bundesprüfstelle in gegebenen Fällen damit, jugendgefährdende Websites auf den Index zu setzen (Ablauf der Prüfverfahren unter www.kjm-online.de ). Die KJM kann selbst Sperrungen verfügen. Das allerdings ist bei Isharegossip derzeit nicht geplant.
Ischaregossip verschwindet aus Suchmaschinen
Mit der Aufnahme auf den Index ist die Mobbing-Plattform zwar weiter im Internet direkt erreichbar. Das Auffinden der Seite wird aber erschwert. Deutsche Suchmaschinen werden Isharegossip dann komplett verbannen. Dazu haben sich die bekanntesten Anbieter wie Google, Yahoo oder Microsoft im Rahmen einer Freiwilligen Selbstkontrolle ( fsm.de ) verpflichtet. Zudem wird die Problem-Website auf vielen privaten und Schulcomputern gesperrt sein – dort wo spezielle Filtersoftware zum Jugendschutz installiert ist. Insgesamt würden sich 23 Programme automatisch die schwarze Liste der Bundesprüfstelle ziehen, sagte Monnsen-Engberding. Die Läster-Seite beschäftigt auch die Strafverfolgungsbehörden. Das für Internetkriminalität zuständige Dezernat der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt bereits seit Ende Januar gegen den Betreiber.
Ishargossip ermuntert Internet-Nutzer dazu, anonym Einträge zu veröffentlichen. Die Seite ist voller Beleidigungen und Drohungen - und richtet sich besonders an Schüler. Die Betreiber der Seite werben damit, dass die Schreiber nicht ermittelt werden können. Diese Anonymität hat bereits zu Straftaten geführt. Auch in Berlin wird jetzt ermittelt, sowohl gegen den Betreiber als auch gegen die bislang unbekannten Nutzer, deren Eintragungen Straftatbestände darstellen.
Die Internetplattform hat in besonders diesem Monat in Berlin traurige Berühmtheit erlangt. Zunächst tauchten Amokdrohungen gegen drei Berliner Schulen auf, nach denen eine Schule - das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf - sogar geschlossen blieb. Am vergangenen Sonnabend endete ein Fall von Cyber-Mobbing in einer realen Gewaltaktion: Eine Gruppe von 20 Schülern prügelte eine 17-Jährigen in Wedding bewusstlos. Er hatte mit einem Teil von ihnen das Gespräch gesucht, um Internet-Hetze gegen seine Freundin zu beenden.
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