Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
23.12.10

Hartz IV

Der Staat soll die Pille für Arme zahlen

In Deutschland werden immer mehr Frauen aus Armut schwanger, sagt die SPD. Ihr Vorschlag: Kostenlose Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen.

pa / epd

Anovlar, die erste Antibabypille in Deutschland: Die Schering AG brachte die Pille am 1. Juni 1961 als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden auf den deutschen Markt.

7 Bilder

Eigentlich sollten sich die Deutschen über jede Schwangerschaft freuen. Denn das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt beängstigend. Dennoch ist längst nicht jede Schwangerschaft willkommen.

Im vergangenen Jahr registrierte das Statistische Bundesamt 110.624 Schwangerschaftsabbrüche. In nur 2,9 Prozent dieser Fälle war der Abbruch aus medizinischer Sicht oder wegen einer kriminologischen Indikation ratsam.

Nach Untersuchungen des brandenburgischen Sozialministeriums werden die meisten Abbrüche von bei finanziell bedürftigen Frauen vorgenommen. In der Regel leben diese Frauen von Hartz IV. Jeder Schwangerschaftsabbruch kostet 400 Euro. Da die Frauen das Geld nicht aufbringen können, zahlt der Staat.

"Das ist aber nur die zweitbeste Lösung. Viel sinnvoller wäre es, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern", sagt Brandenburgs Sozialminister Günter Baaske (SPD) auf "Morgenpost Online". "Deshalb sollte natürlich vorrangig die Prävention – also das Verhütungsmittel – finanziert werden. Dafür sprechen Ökonomische, soziale und psychologische Gründe."

Das heißt, künftig soll der Staat die Pille für "Arme" bezahlen. Das will Brandenburg nun bei den Hartz-IV-Verhandlungen im Vermittlungsausschuss des Bundesrates durchsetzen. "Ich werde mich deutlich dafür einsetzen, dass die Verhütungsmittel finanziert werden", sagt Baaske. Unterstützt wird er dabei von allen SPD-regierten Ländern.

Doch Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält von diesen Plänen gar nichts. "Ihre Bewertung, dass Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II häufiger zu ungewollten Schwangerschaften tendieren, weil sie sich die Finanzierung von Verhütungsmitteln aus dem Regelsatz nicht leisten können, kann ich nicht teilen", schrieb sie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dieser hatte darauf hingewiesen, dass die Pille für Hartz-IV-Empfängerinnen schlicht zu teuer sei.

Nach Berechnungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern kostet die Empfängnisverhütung Frauen durchschnittlich 10,83 Euro pro Monat. Im aktuellen Hartz-IV-Regelsatz sind für Gesundheitsausgaben, von denen auch die Praxisgebühr bezahlt werden muss, 15,55 Euro vorgesehen. Nimmt also eine Frau die Pille, kann sie die Praxisgebühr schon nicht mehr bezahlen.

Bereits im Frühjahr hatte das SPD-regierte Bremen dafür geworben, die Antibabypille an von Hartz IV lebende Frauen kostenlos abzugeben. Der Vorstoß scheiterte jedoch.

Neu wäre eine solche Lösung nicht. Bis 2005 bekamen bedürftige Frauen die Pille auf Rezept. Erst die Agenda 2010 machte damit Schluss.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema
Inventor of TV remote control dies at age 96
Erfinder der Couch-Potato

Ohne Eugene Polley gäbe es keinen gemütlichen TV-Abend.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote