Pakistan
Islamischer Vorbeter ruft zu Mord an Christin auf
Die Christin Asia Bibi wurde in Pakistan wegen Blasphemie zum Tod verurteilt. Ein prominenter Geistlicher rief zusätzlich ein Kopfgeld aus.
Ein muslimischer Vorbeter hat ein Kopfgeld für die Ermordung einer in Pakistan wegen Blasphemie verurteilten Christin ausgesetzt. "Ich gebe jedem 500.000 Rupien (4342 Euro), der Asia Bibi tötet", sagte Maulana Yousuf Qureshi, Vorbeter in der historischen Mohabat-Khan-Moschee in Peshawar, nach Presseberichten vom Samstag. Ausdrücklich forderte er die radikal-islamischen Taliban zum Mord an der Frau auf. Dies wäre wahrhaft ein Dienst an der Religion, sagte der Geistliche laut "Daily Times" bei einer Kundgebung am Vortag. Der pakistanische Minister für Minderheiten, Shabaz Bhatti, protestierte scharf.
"Wir werden niemandem erlauben, in Pakistan das Gesetz des Dschungels einzuführen", sagte Bhatti. Er verurteilte den Aufruf des Vorbeters als unethisch und unmoralisch. Damit würden nur die Elemente angestachelt, die glauben, Faustrecht und Gewalt im Namen der Religion ausüben zu können, sagte der Minister, der selbst ein Christ ist. Die jüngsten Vorfälle zeigten, dass das umstrittene Blasphemiegesetz dringend geändert werden müsse.
Die 45 Jahre alte Bibi war vor einem Monat zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Sie soll sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben. Die Beschuldigte weist dies vehement zurück. Sie sei unschuldig angeklagt worden nach einem Streit mit mehreren muslimischen Frauen um einen Wasserbehälter.
Der Fall löste international Bestürzung aus, Papst Benedikt XVI. setzte sich in einem persönlichen Appell für die Freilassung der Frau ein. Die pakistanische Regierung erwägt, sie zu begnadigen. An diesem Montag soll sich allerdings ein Gericht zunächst mit einer Klage gegen die Regierung befassen. Bibi war im Sommer 2009 verhaftet worden.
Islamistische Gruppierungen machen nun Druck auf die Regierung, die 45-Jährige nicht aus der Haft zu entlassen und auch keinerlei Abstriche am umstrittenen Blasphemiegesetz vorzunehmen. Befürworter einer strengen Rechtsprechung demonstrierten dafür in zahlreichen Städten, auch verschiedene Vorbeter setzten sich öffentlich dafür ein.
Pakistan hat bislang kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt. Allerdings sitzen Dutzende Menschen deswegen in Gefängnissen. Das Gesetz ist umstritten, weil es nach Einschätzung von Menschenrechtlern und Juristen vielfach nicht um "Gotteslästerung" geht, sondern um politisch oder religiös motivierte Rache. Menschen nutzten das Gesetz, um Rechnungen untereinander zu begleichen, sagen Kritiker.
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