Religion
Widerstand in SPD gegen SPD-Kirchenkritiker
SPD-Politiker fordern eine striktere Trennung von Staat und und Kirche. Dagegen regt sich Widerstand in der eigenen Partei.
Von Miriam Hollstein
Der Versuch kirchenkritischer Sozialdemokraten, einen "Laizisten"-Arbeitskreis zu gründen, stößt auch in den eigenen Reihen auf wachsenden Widerstand. Die Positionen der Gruppe seien "problematisch" und widersprächen "in einigen Punkten unserem Grundsatzprogramm", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese.
Dort werde ausdrücklich das jüdisch-christliche Erbe als eine der Wurzeln der SPD benannt. Auch in aktuellen Fragen wie beim Thema soziale Gerechtigkeit teilten SPD und Kirchen viele Positionen.
Griese ist eine der Sprecherinnen des Arbeitskreises "Christinnen und Christen in der SPD" und Vorstandsmitglied beim Diakonischen Werk. Nach Informationen von Morgenpost Online sind laut einer noch unveröffentlichten Studie 46 Prozent der SPD-Mitglieder evangelisch, 22 Prozent katholisch.
Gestern hatte bereits Parteichef Sigmar Gabriel deutlich gemacht, dass ihm die Initiative nicht recht ist: Es handele sich um einen privaten Zusammenschluss, ließ Gabriel verlauten. Beim SPD-Parteivorstand gebe es keinerlei Bestrebungen zur Einsetzung eines solchen Arbeitskreises.
Die Homepage der SPD-Laizisten ist inzwischen gesperrt, ihre Sprecher waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Verabschiedung von Werten
Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, verteidigte den Gottesbezug im Grundgesetz. Ihn zu streichen, wäre gleichbedeutend mit einer Verabschiedung von den Werten, "die unsere Verfassung prägen und unser Zusammenleben geprägt haben", sagte Glück im Deutschlandfunk. Er fügte hinzu: "Ich sehe keinen Anlass, warum man sich aus dieser Wertewelt verabschieden soll. Wenn es die Freiheit des einzelnen einengen würde oder andere negative Entwicklungen festzustellen wären, dann könnte man darüber reden. Den Anlass sehe ich nicht."
Glück versicherte, dass "der Glaube des einzelnen und seine religiöse Beziehung" davon nicht berührt seien. Zugleich verwies er darauf, dass auch die Trennung von Staat und Religion mit dem Bekenntnis zur Glaubensfreiheit im Grundgesetz verankert sei.
Eine Gleichstellung des Islam mit den Kirchen beispielsweise bei der Kirchensteuer lehnte Glück ab. Der Islam könne derzeit "kein Partner des Staats" sein. Dies liege vor allem an der Verfasstheit des Islam. Es gebe im Islam keine einheitliche Autorität oder Organisation, die als Partner infrage kämen. Dies zeige sich derzeit beispielsweise in der Gestaltung des Religionsunterrichts. Glück betonte aber: "Die Muslime haben selbstverständlich das Recht, hier ihren Glauben zu leben und der Staat hat diese Religionsfreiheit zu garantieren."
Die Jusos Rheinland-Pfalz wiederum begrüßen die geplante Gründung des "Arbeitskreises Laizisten und Laizistinnen" in der SPD. Es solle beispielsweise nicht länger möglich sein, dass die Kirchen Mitarbeiter wegen privater Umstände, beispielsweise einer Scheidung, entlassen können, teilte die SPD-Jugendorganisation mit. Zu den vielfältigen und komplizierten Verflechtungen des Staates mit verschiedenen Weltanschauungsgemeinschaften, besonders den beiden großen Kirchen, hätten die Jusos Rheinland-Pfalz einen eigenen Arbeitskreis eingerichtet.
Es sei begrüßenswert, wenn nun auch in der SPD diesem Themenfeld mehr Beachtung geschenkt werde, sagte Juso-Landesvorsitzender Andro Scholl. Dies sei im Zusammenhang mit der seit der letzten Bundestagswahl angestrebten inhaltlichen und strukturellen Erneuerung der SPD ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung.
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