Geschichte
Computerspiel - Schießen auf DDR-Flüchtlinge
Die innerdeutsche Grenze als Computerspiel – die Entwickler von "1378 (km)" wollen damit jungen Menschen ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte nahe bringen. Kritiker halten das für "geschmacklos".
Die Spieler haben dabei die Wahl: Entweder sie schlüpfen in die Rolle eines DDR-Bürgers, der sich als Republikflüchtling der innerdeutschen Grenze nähert.
Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, hat sich empört über ein neues Computerspiel geäußert, in dem es darum geht, als Republikflüchtling den Todesstreifen der DDR zu überwinden oder – als DDR-Grenzsoldat – die Flucht zu verhindern – Töten erlaubt. Klausmeier nannte die Herangehensweise des Spieles "geschmacklos". Er könne es im Namen von Maueropfern und ihren Angehörigen nicht gutheißen, dass in dem Spiel Menschen "abgeballert" würden. "Die Ernsthaftigkeit dessen, was sich damals an der Grenze abspielte, kann man so nicht darstellen."
Grenzsoldat oder Republikflüchtling: Wer das an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung entwickelte Computerspiel "1378 (km)" spielen will, hat die Wahl. Das interaktive 3-D-Spiel widmet sich der 1378 Kilometer langen Grenze quer durch Deutschland und ihren Anlagen – und mit ihnen den Themen Todesstreifen, Republikflucht und Schießbefehl. Kurz vor dem 20. Jahrestag der Deutschen Einheit stellte der Entwickler und Student der Fächer Medienkunst mit dem Schwerpunkt "Games", Jens M. Stober (24), das Spiel am Dienstag vor. Auf neue Art und Weise solle das Interesse der jungen Generation "zur Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte" geweckt werden, sagte Stober.
Der Spieler wird in dem interaktiven Geschehen an verschiedene innerdeutsche Grenzabschnitte im Jahr 1976 versetzt und kann dort wahlweise eine Flucht aus der DDR nachspielen oder sich als Grenzsoldat auf die Jagd nach Republikflüchtlingen machen. Schießen oder verhaften, flüchten oder sich ergeben, töten oder im Todesstreifen getötet werden – das Spiel versucht nach den Worten Stobers möglichst präzise, die damalige Situation und geschichtliche Wirklichkeit widerzuspiegeln. Klausmeier hingegen nennt das Spiel "ungeeignet" für die Vermittlung dieser historischen Tatsachen.
Zu den Spielsituationen gehören Verhaftung und Gefängnis für den Flüchtling, Auszeichnungen für die Grenzsoldaten, oder aber – wenn der Grenzer mehr als dreimal schießt und Flüchtlinge tötet – auch Mauerschützenprozesse im Jahr 2000. Durch ein Punktesystem werden politische und soziale Aspekte berücksichtigt. Gibt es zu viele Tote an der Grenze, steigt der politische Druck auf die DDR, und die Punkte auf dem Konto der Grenzsoldaten verringern sich. Verschont er den Flüchtling, sammelt er Punkte.
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