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Thilo Sarrazin provoziert auf 464 Buchseiten

Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat ein Buch über Deutschland geschrieben. Das Werk des Berliner Ex-Finanzsenators erhitzt bereits vor seinem Erscheinen die Gemüter.

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Abschied von Sarrazin
Foto: DPA
Anfang Mai 2009 trat Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) seinen neuen Job bei der Bundesbank an. Am 30. April 2009 verabschiedete ihn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Einst hatte das Land Ekel Alfred, jetzt hat es Thilo Sarrazin. Wieder so ein Schnauzbart, der jedes noch so heilige Tabu für eine Pointe opfert. Er ist ein Quotenkönig, dessen Sprüche über Migranten und Hartz-IV-Empfänger legendär sind, der polarisiert wie kaum ein anderer politischer Kopf in Deutschland.

Nun hat der Bundesbank-Vorstand Sarrazin ein Buch geschrieben. Nicht irgendein Buch über Geldwertstabilität oder die Restrukturierung der internationalen Finanzmärkte, so wie man es von einem Bundesbanker gemeinhin erwarten könnte. Weit gefehlt! Berlins ehemaliger Finanzsenator macht da weiter, wo er in den Talkshows und Vorträgen aufgehört hat: Er will die Deutschen und ihre Kultur retten. Vor wem? Hier ist die Antwort: „Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken türkisch und arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird“, so Sarrazin in einem Vorabdruck, den der „Spiegel“ veröffentlicht.

Da kommt einer mit klaren Botschaften, aufgeschrieben in einer Sprache, die niemand missverstehen kann. „Demografisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar“, schreibt er etwa.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hat bereits 100 der 464 Seiten des Werkes seines umstrittenen Parteifreundes gelesen. Sein Urteil ist nicht eben eine Verkaufsempfehlung. Sarrazin schreibe das auf, was Insider längst wüssten. Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, vermisst die „Erfolge und Verdienste der Zuwanderergenerationen“. Und der Berliner CDU-Fraktionschef Frank Henkel findet es schlicht unglaubwürdig, wenn Sarrazin „die auch von ihm verursachten Missstände beklagt“.

In seinem Buch sucht Sarrazin auch nach Antworten auf die genannten Probleme, und – keine Frage – er findet sie: „Es reicht aus, dass Muslime unsere Gesetze beachten, ihre Frauen nicht unterdrücken, Zwangsheiraten abschaffen, ihre Jugendlichen an Gewalttätigkeiten hindern und für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen.“ Nur leider fehlt bei ihm jeder Hinweis darauf, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime sich an Recht und Gesetz hält.

„Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ erscheint am 30. August im Verlag DVA.

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