Flutkatastrophe
Niebel ruft zu mehr Spenden für Pakistan auf
Der Bundesentwicklungsminister bittet die Bevölkerung um Hilfe für die Flutopfer. Er versuche alles, damit Geld nicht in "korrupte Kanäle läuft".
Angesichts der katastrophalen Lage in Pakistans Überschwemmungsgebieten ist die UN besorgt über die schleppenden Hilfszahlungen der internationalen Gemeinschaft. Wegen Pakistans "Imageproblem" im Westen stocke die Hilfe für die 20 Millionen Betroffenen, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Genf. Die Weltbank unterstützt Pakistan mit einem Millionen-Kredit.
"Wir bemerken oft ein Imagedefizit Pakistans in der öffentlichen Meinung im Westen", sagte OCHA-Sprecherin Elizabeth Byrs. Daher erhalte das Land nur wenig Hilfe. Die UN hatte zu Spenden in Höhe von 460 Millionen Dollar (361 Millionen Euro) für die sechs Millionen direkt vor den Überschwemmungen in Pakistan Betroffenen aufgerufen. Bislang wurden erst 20 Prozent der Summe zugesagt.
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) rief zu Spenden für Pakistan auf. "Wir machen alles, was notwendig ist, um sicherzustellen, dass nichts in korrupte Kanäle läuft", versicherte Niebel in einem ARD-"Brennpunkt". Die Zusammenarbeit mit der UN sowie deutschen Organisationen vor Ort böten "das höchste Maß an Sicherheit, dass das Geld auch tatsächlich dort ankommt, wo es hingehört". Es gehe hier "um das Leben, um die Not von Menschen", bat Niebel die Bevölkerung um Hilfe für Pakistan.
Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg erklärte in London, die bisher erfolgten Hilfszusagen seien "absolut erbärmlich". Die Sprecherin der Hilfsorganisation CARE International, Melanie Brooks, sagte, es müsse deutlich gemacht werden, dass die Hilfsgelder "nicht in die Hände der Taliban" gelangten.
Von der Überschwemmungskatastrophe sind 20 Millionen Menschen direkt oder indirekt betroffen. Sechs Millionen Kinder haben in den vergangenen drei Wochen ihre Eltern verloren, sind nach UN-Angaben erkrankt oder ohne Obdach.
Die Weltbank stellt auf Bitten der pakistanischen Regierung einen Kredit über 900 Millionen Dollar (rund 702 Millionen Euro) bereit. Die Auswirkungen der Katastrophe auf die Wirtschaft des Landes würden als "gewaltig" eingeschätzt, erklärte die Weltbank. Nach ersten Erkenntnissen hätten die Fluten neben Straßen, Brücken und landwirtschaftlichen Flächen rund 723.000 Wohnhäuser zerstört oder beschädigt.
Besondere Sorgen bereitet den Helfern die Lage der Kinder in den Flutgebieten. OCHA-Sprecher Maurizio Giuliano erklärte, bis zu 3,5 Millionen Kinder seien einem "starken Risiko ausgesetzt", durch schmutziges Wasser tödlich zu erkranken. Sie seien vor allem von bakteriellen Darminfektionen, Hepatitis, Typhus und Durchfall bedroht.
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