Kommentar

Wie die AfD sich ganz von allein erledigt

Bundeskanzlerin Angela Merkel muss sich keine Sorgen um die AfD machen, denn die ist zerstritten und verliert massiv an Wählergunst. Der Grund ist politischer Kinderkram, meint Jochim Stoltenberg

Der Angela Merkel nachgesagte Hang, Politik nach dem Motto "Schauen wir mal und warten ab" zu betreiben, könnte sich für die Kanzlerin ein weiteres Mal als erfolgreich herausstellen. Wird ihr bisher vorgeworfen, zu passiv auf die neue politische Konkurrenz rechts von der Union zu reagieren, ist die gerade dabei, sich selbst zu zerlegen.

Der interne Mail-Krieg, den die Alternative für Deutschland in aller Öffentlichkeit austrägt, ist so selbstzerstörerisch, von Eitelkeiten, Machtgelüsten und politischer Weltfremdheit geprägt, dass dem steilen Aufstieg der tiefe Absturz zu folgen droht. Eine am Montag aus Brandenburg bekannt gewordene Umfrage macht das konkret: Im Märkischen, wo Alexander Gauland, einer der "Streithammel" innerhalb der AfD-Führungsriege, 2014 bei der Landtagswahl noch sensationelle 12,8 Prozent einfuhr, ist die Neupartei um fast fünf Prozentpunkte eingebrochen. In Hamburg, wo in diesem Jahr gewählt wird, klagt der örtliche Spitzenkandidat bereits über zu erwartende Verluste gegenüber den hohen Erwartungen.

Anlass des parteiinternen Massakers ist die Forderung Bernd Luckes, eines von drei gleichberechtigten Vorsitzenden, sich Ende Januar zum alleinigen Vorsitzenden wählen zu lassen. Man kann über Lucke zu Recht streiten, aber er liegt angesichts des realen Politikbetriebs in diesem Lande richtig. Eine Partei, die in ihrer Spitze mit drei Zungen redet, verbreitet institutionell Verwirrung statt Klarheit. Wie kontraproduktiv das selbst mit nur zwei gleichberechtigten Chefs ist, haben Grüne und Linkspartei erfahren.

Politischer Kinderkram führt sich selbst ad absurdum

Wenn Luckes erster Vorstandskollege Konrad Adam (ein geschätzter Journalist, bevor er zum Parteifunktionär mutierte) jetzt zusammen mit anderen Kritikern fordert, Lucke müsse die Macht weiterhin teilen und solle künftig nur noch über die Probleme Europas reden, bei anderen Themen den Mund halten, dann kann man nur noch lachen. Man stelle sich eine CDU vor, für die Angela Merkel nur noch über die Probleme Ost-Deutschlands oder Sigmar Gabriel allein über den Mindestlohn reden darf. So viel politischer Kinderkram führt sich selbst ad absurdum.

Nun wollen alle Verbalkrieger einen neuen Burgfrieden schließen. Der letzte hat kaum zwei Monate gehalten. Im November hatte Parteivize Gauland eingelenkt, nachdem er Lucke einen "Kontrollfreak" genannt hatte, der alles "wie im Wahn" kontrollieren wolle. Die neuen Attacken gegen Lucke haben dieselbe Stoßrichtung.

Angela Merkel muss die AfD weiterhin nicht besonders ernst nehmen. Wohl dagegen einen Teil der politischen Probleme, die die Bürger sorgen und die die AfD thematisiert hat.

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