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28.07.10

Nach Darmstadt-Auftritt

Hessens Linke fordert Sarrazins Entlassung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin, weil er Zuwanderer bei einer Veranstaltung in Darmstadt pauschal als dumm bezeichnet hat. Hessens Linke verlangt bereits jetzt Konsequenzen.

© dpa
Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin hat sich als Bundesbanker erneut eine Entgleisung geleistet

Die Linke im hessischen Landtag fordert die Entlassung von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin. "Die erneuten Entgleisungen, wegen derer gegen Sarrazin ermittelt wird, müssen auch für die Bundesbank der letzte Paukenschlag sein, um ihn von seinen Ämtern zu entbinden", sagte Fraktionschefin Janine Wissler am Mittwoch in Wiesbaden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zum zweiten Mal gegen den früheren Berliner Finanzsenator wegen Volksverhetzung. Nach der Anklagebehörde in Berlin leitete nun die Staatsanwaltschaft in Darmstadt ein Verfahren gegen den SPD-Politiker ein. Sarrazin war im Juni bei einer Veranstaltung in Darmstadt aufgetreten. Dabei hatte er die Befürchtung geäußert, das schwächere Bildungsniveau vieler Zuwanderer wirke sich negativ auf Deutschland aus. "Wir werden auf natürlichem Weg durchschnittlich dümmer", hatte er gesagt. Die Linke wertet dies als volksverhetzend und verlangte deshalb Konsequenzen.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte den Diplom-Volkswirtschaftler im November 2009 vom Vorwurf der Volksverhetzung entlastet. Anlass damals war ein Interview von Sarrazin, in dem er sich abfällig über Türken und Araber geäußert hatte. Die Berliner SPD hatte damals auch geprüft, ob der ehemalige Finanzsenator aus der Partei ausgeschlossen werden soll. Ein entsprechender Antrag wurde dann allerdings abgelehnt. Nach den jüngsten Äußerungen von Sarrazin hatte der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller erklärt: "Die erneuten Provokationen von Herrn Sarrazin sind in jedem Fall unerträglich." Auch Bundespolitiker äußerten sich. "Ich frage mich, wie lange die Bundesbank einen solchen Brandstifter und Rechtspopulisten noch an ihrer Spitze dulden will", so die Grünen-Chefin Claudia Roth. Auch die SPD müsse sich fragen lassen, ob und wie lange sie Sarrazin noch in den eigenen Reihen akzeptiere, so Roth.

Noch mehr alte und neue Sprüche von Thilo Sarrazin
Der frühere Berliner Finanzsenator und heutige Bundesbanker Thilo Sarrazin macht regelmäßig mit deftigen Sprüchen zu Politik und Gesellschaft auf sich aufmerksam:
Februar 2010 zur Architektur des Bürohauses auf dem Spreedreieck: "Das kommt heraus, wenn man einen Esel mit einem Rennpferd kreuzt."
Februar 2010 zu Kritik daran, dass er nicht persönlich die Verhandlungen über das Spreedreieck geführt hat: "Der General befiehlt einen Angriff, steht aber nicht selbst im Schützengraben."
Februar 2010 über die seiner Ansicht nach große Neigung der Berliner Verwaltung zum Rechtsweg: "Der klassische Berliner Weg war: Wir klagen, das dauert dann vier bis fünf Jahre, kostet doppelt so viel – aber dann bin ich nicht mehr da."
März 2002 zum Berliner Stadtbild: "Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Berlin."
Januar 2005 zur geplanten Länderfusion: "Das vereinte Land Berlin-Brandenburg ist natürlich immer eine Stadt Berlin mit angeschlossener landwirtschaftlicher Fläche."
August 2006 zur Berliner Finanzlage: "Lassen Sie mich mal so sagen: Der Schutt ist abgeräumt. Wir leben nicht mehr im Jahr 1945, sondern wir leben im Jahr 1947."
Februar 2008 zum Thema Schwarzarbeit: "Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet."
Februar 2008 zu seinem Speiseplan für Hartz-IV-Empfänger: Für 4,25 Euro könne man sich "vollständig, gesund und wertstoffreich ernähren".
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:

"Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:

"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:

"Je niedriger die Schicht, desto höher die Geburtenrate. Die Araber und die Türken haben einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Große Teile sind weder integrationswillig noch integrationsfähig. Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: Kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun."
In der Zeitschrift "Lettre International", Oktoberausgabe 2009:

Über den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann: "ein leicht verhaltensgestörter Senatsbaudirektor"



Gegenüber dem Handelsblatt, 27. November 2009

über Kanzlerin Angela Merkel: "Ich rate der Bundeskanzlerin, sich mal im stillen Kämmerlein einzuschließen, zwei Tage ruhig nachzudenken und sich zu überlegen, was sie wirklich will." Außerdem sei ihre aktuelle Politik „ein müder Wiederaufguss der späten Kohl-Jahre".
Mitte Dezember 2009 sagte er in der "Bild"-Zeitung:

"Ich würde Kopftücher im Unterricht untersagen. Sie sind kein religiöses, sondern ein politisches Symbol."
Quelle: BMO
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