Polit-Humor
Lammert scherzt sich durch den Wahlkrimi
Die Wahlkrise von Mittwoch hat auch einen Gewinner. Den humorigen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU). Microblogger fordern bereits eine Fernsehsendung für ihn.
Die Wahl ist vorbei. Ein Mitarbeiter des Reichstags entfernt nach der Wahl des Bundespräsidenten eine schwarz-rot-goldene Fahne.
Was für ein Polit-Krimi: Fernsehzuschauer konnten das Drama um die Bundespräsidentenwahl im Fernsehen verfolgen – und dabei einen Mann in Hochform bewundern. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), berühmt und berüchtigt für seine Witze, führt durch die Veranstaltung, als würde er sich für einen Posten als Profi-Moderator bewerben.
Kurz vor der ersten Abstimmung erinnerte er erst einmal selbstkritisch an die Panne bei der vergangenen Bundespräsidentenwahl vor einem Jahr. Damals waren schon vor der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses Blumensträuße bereitgelegt worden und Blasmusiker in den Saal eingezogen. Damit war der Sieg des Koalitionskandidaten Horst Köhler im ersten Wahlgang signalisiert worden.
Lammert mahnte: "Sofern Fraktionen oder Einzelne Blumengebinde bereit gelegt haben, rege ich an, nach den begeisternden Erfahrungen der letzten Bundesversammlung, diese erst nach Verkündigung des Wahlergebnisses in den Plenarsaal zu bringen." Er versprach zudem, um den "rechtzeitigen Auftritt der Bläser werde ich mich persönlich kümmern". Da hatte die Versammlung noch gut lachen.
Vor der Stimmauszählung nach dem ersten Wahlgang empfahl er den Anwesenden, in der Wartezeit einen Ausflug zum Wannsee zu unterlassen. Noch einen Wahlgang später eröffnete er das Büffet und fügte hinzu, es handle sich um eine "nicht unproblematische Innovation" im parlamentarischen Prozedere. "Ich hoffe, dass Sie bei der Befriedigung ihrer kulinarischen Bedürfnisse nicht ihre Stimmabgabe aus dem Auge verlieren", ermahnte er die Wahlmänner und -frauen.
Nicht nur sein Unterhaltungstalent stellte er unter Beweis. Der CDU-Abgeordnete aus Bochum, der selbst als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl im Gespräch war, kritisierte indirekt den überraschenden Amtsverzicht von Bundespräsident Horst Köhler. "Niemand muss öffentliche Ämter übernehmen; wer kandidiert und gewählt wird, übernimmt allerdings eine Verantwortung, die er mit all seiner Kraft, nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen hat", sagte er in seiner Eröffnungsrede der 14. Bundesversammlung. Niemand stehe unter "Denkmalschutz" – weder die Parlamente noch die Regierungen, "nicht einmal das Staatsoberhaupt. Kritik muss sein."
Natürlich hat Lammerts aber auch noch einen Gag zum Abschied. Seine letzten Worte: "Hiermit erkläre ich die Bundesversammlung für beendet. Sie können alle sagen, Sie sind dabei gewesen."
Durch seinen heutigen Auftritt kann er bei den Kritikern im Internet jedenfalls punkten. Die Twitter-User sind begeistert. So schreibt einminutentexte: "Ich finde Norbert Lammert ja so cool, es sollte jede Woche eine Bundesversammlung unter seiner Leitung geben." Und flow6667 fordert: "Der sollte eine eigene Fernsehsendung haben." Ganz sicher wird auch noch irgendeiner posten: "Bundestagspräsident for President!"
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