Sex- und Alkohol-Gerüchte
Der Vatikan schweigt zum "Geheimdossier Mixa"
Deutsche Katholiken rufen den Vatikan um Hilfe bei der Aufklärung der Vorwürfe gegen den ehemaligen Bischof an – ohne Erfolg.
Mixa war schon immer ein polarisierender Kirchenmann: 1996 wurde er zum Bischof von Eichstätt ernannt und ...
Der Vatikan schweigt zum angeblichen "Geheimdossier Mixa", das laut Medienberichten den zurückgetretenen Augsburger Bischof mit Alkoholismus- und Missbrauchsvorwürfen schwer belasten soll. "Der Papst hat natürlich seine Entscheidung zum Rücktritt Walter Mixas auf der Basis von Informationen getroffen. Woher er diese bekommen hat, ist jedoch zweitrangig", erklärte Vatikansprecher Padre Fedrico Lombardi.
Nach Berichten der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" war eine geheime "Akte Mixa" am 27. April an den päpstlichen Nuntius in Berlin und dann nach Rom gegangen. Sie habe auch Papst Benedikt XVI. bei der Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des umstrittenen Bischofs vorgelegen.
"Es ist klar, dass die Presse spekuliert, aber wir wollen zu diesen Spekulationen nicht auch noch beitragen", wollte Lombardi die Veröffentlichungen über Alkoholmissbrauch und sexuelle Übergriffe auf jüngere Priester durch Mixa nicht weiter kommentieren. Es gebe nichts Neues zu berichten, so Lombardi.
In den Medienberichten ist von Zeugen aus dem engsten persönlichen Umfeld Mixas die Rede, deren Aussagen über seinen Lebenswandel dem Dossier beilägen. So gebe es Mitarbeiter, die den heute 69-Jährigen als "Spiegeltrinker" beschrieben, der seinen Alkoholpegel über den Tag hinweg halten müsse. Andere Zeugen schilderten homosexuelle Übergriffe, "weiche Vergewaltigungen", des Bischofs in seiner Zeit als Stadtpfarrer Mitte der 1990er Jahre. Außerdem soll Mixa laut FAZ Stiftungsgelder für Waisenkinder an eine in Rom lebende Person gesandt haben, die in einem Milieu verkehrte, mit dem man ihn nicht in Verbindung bringen sollte.
In Mixas ehemaligem Bistum Augsburg sorgt derweil dessen Rückkehr in seine Wohnung im Bischofspalais für Unfrieden. Nach Auffassung des Augsburger Diözesanrats sollte Mixa das Bistum schnell verlassen. "Das ist der einzig vernünftige Weg, wieder Ruhe in die Diözese zu bringen", sagte der Vorsitzende des Rates, Helmut Mangold. Nach Angaben aus Kirchenkreisen drängt die Spitze des Bistums gegenwärtig Mixa, das Bischofshaus möglichst schnell zu verlassen. Mixa war vor kurzem nach einem Schweizer Klinikaufenthalt überraschend ins Augsburger Bischofspalais zurückgekehrt.
Die öffentliche Auseinandersetzung um Mixa hat nach Ansicht des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, zu "schwerem Schaden für Mixa und die katholische Kirche" geführt. Mit Mixas Interview mit Morgenpost Online sei eine neue Eskalation der Vorgänge eingetreten. "Das ist eine bittere Entwicklung, die zu einer vergifteten Situation führt", sagte Glück. Jetzt müsse mit Hilfe des Vatikans die ganze Angelegenheit um Mixa geklärt werden, sonst bleibe eine "unerträgliche Situation von Verdächtigungen und Vorwürfen".
Papst Benedikt XI. hatte am 8. Mai das am 21. April eingereichte Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs angenommen. Dabei erhob er schwere Vorwürfe gegen den Münchner Erzbischof Reinhard Marx und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch.
In einem Brief an den Vatikan drei Tage nach seinem Rücktritt hatte Mixa seinen Rücktrittsangebot wieder zurückgezogen. Mixa machte im Interview mit Morgenpost Online deutlich, dass er eine neue seelsorgerliche Aufgabe anstrebt. Der Vatikan hat zwischenzeitlich klargemacht, dass eine Rückkehr auf den Augsburger Bischofsstuhl nicht in Frage kommt. Im Juli wird Mixa aber ein Gespräch beim Papst bekommen.
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