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18.06.10

Daryush Shokof

Iranischer Regisseur schildert Verschleppung

Tagelang war der in Berlin lebende iranische Filmemacher Daryush Shokof verschwunden. Nun hat er von seiner Verschleppung berichtet. Trotz Todesdrohung will er ab Montag seinen neuen Film zeigen.

© dpa/DPA
Iranischer Regisseur Daryush Shokof wieder da
Der regimekritische iranische Regisseur Daryush Shokof hat sich in Berlin erstmals nach seinem Verschwinden in der Öffentlichkeit geäußert

Der Mann, nach dem Polizei, Verfassungsschutz und die Gemeinschaft der Exil-Iraner zwei Wochen vergeblich suchten, sitzt hinter einem Mikrofon im Kino Arsenal am Potsdamer Platz. Vor dem Haus steht ein grüner Einsatzwagen. Der Filmemacher Daryush Shokof will berichten, was ihm zwischen dem 24. Mai und dem 5. Juni zugestoßen ist.

Er habe auf einer Bank in Köln gesessen, ein Zwischenstopp zwischen seinem Wohnort Berlin und Paris, wo es um seinen neuen Film gehen sollte. Ein Mann habe sich neben ihn gesetzt und auf Arabisch telefoniert. Dann sei ein Audi vorgefahren, zwei Männer seien ausgestiegen. Einer sei neben der geöffneten Hintertür stehen geblieben, der zweite auf ihn zugegangen. In dem Moment habe ihm der Arabischsprecher einen harten Gegenstand in die Rippen gedrückt und ihn aufgefordert mitzukommen. Zu zweit hätten sie ihn auf den Rücksitz befördert, die Augen verbunden, den Mund zugeklebt.

Nach längerer Fahrt habe man ihn in eine Wohnung gebracht. Die Männer hätten ihn beschuldigt, mit seinen Filmen den Islam zu beleidigen. Er habe um die Chance gebeten, sich zu verteidigen, und mit den Entführern diskutiert. Man habe ihm aber zu verstehen gegeben, der einzige Grund, warum er noch am Leben sei, sei dass nur er die Aufführung seiner eigenen Filme verhindern könne.

Shokof, seit 1985 im Exil in Deutschland, malt, schreibt und dreht Filme. Seine neuesten Werke hatten Anfang Mai in Berlin Premiere. "Iran Zendan" schildert in realistischer Weise Folterungen und Vergewaltigungen von Regimegegnern, die nach den Protesten gegen die Präsidentschaftswahlen ins Gefängnis kamen.

Laut Shokof habe das Wasser, das er zu trinken bekam, einen bitter-süßlichen Geschmack gehabt, er sei ins Delirium gefallen. Von den zwölf Tagen Gefangenschaft erinnere er sich nur an drei oder vier. Letztlich habe man ihn wieder blind und geknebelt an ein Flussufer gebracht. Mit den Worten "Hast du verstanden? Wenn du ,Iran Zendan' zeigst, bist du tot!" sei er in den Rhein gestoßen worden. Als er sich ans Ufer rettete, fand er sich an einer einsamen Stelle in Köln-Porz.

"Ich glaube nicht, dass die Polizei mir glaubt", sagt Shokof. Seine geplante Tournee mit "Iran Zendan" hat er inzwischen abgesagt. Seinen Film will er aber ab Montag in voller Länge präsentieren – nämlich im Internet.

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