Parteien
CDU hat so wenige Mitglieder wie lange nicht
Nur noch gut 518.000 Menschen waren Anfang dieses Jahres Mitglied in der CDU - der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Die CDU nähert sich damit der SDP – die hatte Ende 2009 gut 512.000 Mitglieder. Einige Christdemokraten fürchten, ihre Partei könne wegen jüngster Ereignisse noch weiter schrumpfen.
Die Zahl der Mitglieder der CDU hat einen historischen Tiefstand erreicht.
Die Partei habe zuletzt allein in einem halben Jahr netto rund 5000 Mitglieder verloren, bestätigte eine Parteisprecherin am Donnerstag in Berlin einen Bericht der "Bild"-Zeitung.
Besaßen im August 2009 noch 523.374 Anhänger das CDU-Parteibuch, so waren es im Februar 2010 nur noch 518.284. Dies ist der niedrigste Mitgliederstand seit zehn Jahren.
Die Sprecherin hob zugleich hervor, dass es in den Jahren 2008 und 2009 jeweils rund 20.000 Neueintritte gegeben habe. Nach dem Antritt von Angela Merkel als Bundesvorsitzende im Jahr 2000 hatte die CDU den Angaben zufolge noch etwa 616.000 Mitglieder gehabt.
Wie "Bild" weiter berichtete, rechnen Insider in der CDU-Parteizentrale wegen der Wahl in Nordrhein-Westfalen sowie dem angekündigten Rücktritt von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit einem weiteren Mitgliederschwund.
Bild.de zitierte einen namentlich nicht genannten CDU-Politiker mit den Worten, "wenn das so weitergeht, haben wir bald weniger Mitglieder als die SPD". Die Sozialdemokraten meldeten laut "Bild" Ende 2009 knapp mehr als 512.000 Mitglieder.
Wegen der Parteiaustritte rechnet die CDU auch mit finanziellen Einbußen, konkrete Zahlen liegen der Partei hierzu noch nicht vor. Als "schlichtweg falsch" bezeichnete die Sprecherin Angaben der "Bild"-Zeitung, nach denen die Berliner CDU-Bundesgeschäftsstelle zur Vermeidung von Entlassungen etwa 30 Mitarbeiter an Ministerien, Behörden und Bundestag "ausgeliehen" habe.
In der CDU dauert indes nach dem angekündigten Rückzug von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) die Debatte um den künftigen Kurs der Partei an. Koch hinterlasse "ganz ohne Zweifel eine Lücke", sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Mike Mohring, dem "Handelsblatt Online".
Er bezeichnete es als problematisch, "dass damit einer der wichtigsten Unionspolitiker geht, mit dem sich liberal-konservative, bürgerliche Wähler identifizieren". Es gebe jedoch politische Köpfe in der Union, die diese Lücke in nicht allzu langer Zeit füllen würden.
Der Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), riet seiner Partei dazu, das Kapitel Roland Koch abzuschließen. "Wir können jetzt nicht monatelang Trauerarbeit leisten", sagte Bosbach der "Passauer Neuen Presse". "Wenn Arjen Robben den Verein wechselt, wird Bayern München auch nicht den Spielbetrieb einstellen, sondern überlegen, wen sie an seiner Stelle mit vergleichbaren Qualitäten einsetzen können."
Koch hatte am Dienstag überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern angekündigt. Sein Nachfolger als hessischer CDU-Landesvorsitzender und Regierungschef soll Landes-Innenminister Volker Bouffier (CDU) werden.
Wer Koch im Amt des stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden nachfolgt, ist noch offen. Das CDU-Vorstandsmitglied Friedbert Pflüger brachte am Donnerstag erneut den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) ins Gespräch. Dieser sei gerade in wirtschaftlichen Fragen im Präsidium durch sachkundige Beiträge aufgefallen, sagte Pflüger der Berliner Zeitung "B.Z".
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