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28.04.10

Gottesbezug

Kirchen gefällt Özkans Eidesformel jetzt doch

"So wahr mir Gott helfe" – so beendete Aygül Özkan ihren Amtseid. Ihre Erklärung, sie habe sich auf den "einen Gott" von Juden, Christen und Moslems bezogen, empörte Kirchenvertreter. Jetzt wird zurückgerudert: Özkans Gottesbezug sei begrüßenswert, sagte Hamburgs Weihbischof Jaschke Morgenpost Online.

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Jetzt haben die beiden großen Kirchen näher hingesehen – und festgestellt, dass sie doch keine Einwände gegen den religiösen Amtseid der neuen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) haben.

Dabei hatten kirchliche Pressesprecher am Mittwoch noch Kritik geäußert, nachdem Özkan am Dienstag im niedersächsischen Landtag "so wahr mir Gott helfe" gesagt und in einer dazu verteilten Erklärung ausgeführt hatte: "Als gläubige Muslimin berufe ich mich ausdrücklich auf den einen und einzigen Gott, der den drei monotheistischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam gemeinsam ist und den alle drei Religionen als den ,Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs’ verehren."

Nein, so einfach könne man das nicht sagen, erklärten dazu dann in der "Bild"-Zeitung die Sprecher der Hannoverschen Landeskirche (evangelisch) und des katholischen Bistums Essen – die Gottesbilder der drei Religionen seien eben sehr unterschiedlich.

Doch diese Kritik wurde nun von ranghohen Vertretern beider Kirchen zurückgenommen. Für die katholische Kirche erklärte deren Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, im Gespräch mit Morgenpost Online: "Muslime und Christen sind im Glauben an den einen Gott verbunden. Dass Aygül Özkan bei ihrer Vereidigung die Gottesformel ’so wahr mit Gott helfe’ gesprochen hat, ist ein richtiges Signal. Es ist ein gutes Beispiel für die Integration gläubiger Muslime in unsere Gesellschaft. Muslime geben ihren Glauben nicht auf und übernehmen als religiöse Menschen Verantwortung in unserer Gesellschaft."

Jaschke nannte es dabei "ein gutes Zeichen, dass die CDU einer Muslima den Weg in ein Ministeramt ermöglicht. Selbstverständlich steht Frau Özkan zu den Grundüberzeugungen und Traditionen der CDU."

Ähnlich äußerte sich für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) der Präsident ihres Kirchenamtes, Hermann Barth. Der Nachrichtenagentur EPD sagte Barth: "Die Situation in unserer religiös pluralen Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass wir bei allen Differenzen zwischen Christen und Muslimen gemeinsame Überzeugungen und Schnittmengen haben. Wir sollten sie pfleglich behandeln."

Barth fügte hinzu, zwischen Christen und Muslimen gebe es erhebliche Unterschiede beim Gottesbild und im Verständnis von Jesus Christus. Doch sei der Bezug auf Gott in der Eidesformel wie auch in der Präambel des Grundgesetzes nicht exklusiv an das christliche Gottesverständnis gebunden. Die Ministerin habe damit zum Ausdruck gebracht, "dass sie ihre Verantwortung in einem Horizont sieht, der über wechselnde und partikulare menschliche Interessen hinaus geht".

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