Großstädte
Rösler will frei werdende Praxen nicht neu besetzen
Mit diesem Plan könnte Philip Rösler (FDP) viele Ärzte gegen sich aufbringen: In Ruhestand gehende Mediziner in Großstädten sollen ihre Praxen nicht wie bisher an jüngere Kollegen verkaufen können. Stattdessen will der Gesundheitsminister mehr Ärzte aufs Land locken. Und auch sonst hat er sich schon unbeliebt gemacht.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat sich dafür ausgesprochen, frei werdende Arztpraxen in überversorgten Ballungsräumen nicht wieder zu besetzen.
Schon jetzt gilt in manchen überversorgten Gebieten, dass sich weder Haus- und noch Fachärzte neu niederlassen dürfen. Die einzige Ausnahme bisher: Wenn Arzt sich zur Ruhe setzt, ist die Übernahme der Praxis durch einen neuen Kollegen erlaubt. Kritikern zufolge wird dadurch die Überversorgung zementiert. Das will Rösler nun ändern.
Allerdings ist der Praxisverkauf für Ärzte ein wichtiger Teil der Altersversorgung. Fiele dieses Recht weg, "käme das einer Enteignung gleich", betont Bernd Brautmeier, Chef der KV Nordrhein.
Im Gegenzug sind nach Auffassung Röslers Entschädigungen denkbar. Das sei aber Sache der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und werde bereits diskutiert, sagte Rösler der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen. Dort hieß es dem Bericht zufolge, die Politik sei gefragt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten Praxen in überversorgten Gebieten aufkaufen, schließen und in unterversorgten Gebieten neu einrichten. Doch dafür müsse das Gesetz geändert werden.
Rösler will mit dem Vorstoß die ungleiche Versorgung von Städten und ländlichen Regionen mit Ärzten zu beheben. "Man kann nicht einfach Ärzte aus der Stadt auf das Land schicken, sondern muss schrittweise vorgehen", sagte er. Auch hier seien die Kassenärztlichen Vereinigungen gefordert.
Weiter plädierte der Gesundheitsminister für eine bessere Bezahlung von Landärzten. Landärzte betreuten oft sehr viele Patienten. "Wenn der Nachbar seine Praxis schließt und sie deshalb noch mehr Patienten übernehmen, werden sie heute dafür bestraft, weil sie ab einer bestimmten Menge die Leistungen nicht mehr voll abrechnen können", sagte Rösler der Zeitung. Diese Mengensteuerung sollte in Gebieten mit Ärztemangel ausgesetzt werden. "Das andere ist die zu schlechte Bezahlung von Hausbesuchen, die Landärzte weit häufiger machen müssen als Kollegen in der Stadt."
Der Minister mahnte außerdem an, den Arztberuf vor allem für Frauen attraktiver zu machen. 60 Prozent der Medizinstudenten seien weiblich, arbeiteten später aber nicht als Ärzte, "weil sich Beruf und Familie unter heutigen Bedingungen schwer vereinbaren lassen". Unter anderem täten sich viele Kliniken schwer damit, Ärztinnen in Teilzeit zu beschäftigten. "Da wird sich eine Menge ändern müssen", forderte Rösler.
Nach Angaben eines Ärztenetzwerkes ist die Ärzteschaft zunehmend unzufrieden mit dem neuen Gesundheitsminister. Das Netzwerk Hippokranet veröffentlichte eine Umfrage unter Medizinern, nach der 62 Prozent angaben, nicht wieder FDP wählen zu wollen, obwohl bei der letzten Bundestagswahl 83 Prozent der befragten Ärzte die Freidemokraten gewählt hätten. Zudem verliere die FDP Ärzte als Multiplikatoren, die ihren Patienten zur Wahl der FDP raten könnten, warnte der Dienst.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Gesundheit: Ärzte fordern neun Prozent mehr Einkommen
- Gesundheit: Privatversicherte zahlen sechs Prozent mehr
- CDU-Gesundheitspolitik: Mehr Steuern sollen Krankenkassen retten
- Krankenkassen: Elektronische Gesundheitskarte wird abgespeckt
- Gesundheitsreform: Rösler umgeht eigene Regierungskommission
- Barmer GEK: Deutschlands größte Kasse fordert Zusatzbeitrag
-
24.05.2012Urheberrecht: Das Mittelstandsunternehmen BossHoss braucht das...
-
24.05.2012Griechenland-Umfrage: Linksbündnis Syriza überholt Konservative
-
24.05.2012Fluglärm: Tegel-Anwohner zwischen Gelassenheit und Entsetzen
- 1. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 2. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 3. Schuldenkrise Keine Annäherung zwischen Merkel und Hollande
- 4. BER-Desaster Kontroll-Experte bemängelt Kompetenz des Aufsichtsrats
- 5. EU-Gipfel Griechenland soll nicht um jeden Preis im Euro bleiben














