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21.04.10

Kunst-Kauf

Mixa bezahlte gefälschtes Bild aus Waisenkasse

Er war der gute Mensch von Schrobenhausen: Als Stadtpfarrer wollte der jetzige Bischof Walter Mixa 1982 Kindern und Jugendlichen "ein Gespür für Kunstwerke" beibringen. Dafür kaufte er einen angeblichen Stich von Giovanni Battista Piranesi, der zudem überteuert war - mit dem Geld aus der Waisenkasse.

© Archiv/ARchiv
Giovanni Battista Piranesi: "Zugbrücke" (1745). Für einen gefälschten Stich des Künstlers zahlte Walter Mixa 45.000 Mark
Giovanni Battista Piranesi: "Zugbrücke" (1745). Für einen gefälschten Stich des Künstlers zahlte Walter Mixa 45.000 Mark

Dass gerade Stiche von Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) für die katholische Kirche gefährlich werden können, hätte Walter Mixa schon wissen können, bevor er Bischof von Augsburg wurde. 1982, Mixa war im verflixten siebten Jahr Stadtpfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen, erschien Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" auch auf Deutsch. In dem Bestseller spielen Piranesis bildliche Fantasiewelten eine große Rolle.

Die zwischen 1745 und 1750 entstandene Grafikfolge der "Carceri" des italienischen Architekten und Kupferstechers diente als Vorlage für Ecos Klosterbibliothek, in der ein reaktionärer blinder Mönch alles Neue fanatisch bekämpft und rigoros die Tradition verteidigt. Vernunft und Aufklärung, die die Allmacht der Kirche zu unterhöhlen beginnen, sind für ihn das Werk des Teufels. Deshalb verbirgt er die Wahrheit, die ihm gefährlich scheint, vor der Welt und ist schließlich sogar bereit, im Kampf gegen die Moderne unterzugehen.

Rudolf Paul Koletzko quittierte am 13. Januar 1995 in Rom dem damaligen "Stadtpfarrer, Regionaldekan, Bischöflichen Geistlichen Rat Msgr. Dr. Walter Mixa" den Kauf eines "Originalstich (aus der Zeit) von G.B. Piranesi (1707)".

Stolze 43.000 Mark hatten Hochwürden dafür dem ehemaligen Augsburger Bischofssekretär und langjährigen Freund bezahlt, der laut Medienberichten auch davon lebt, bayerischer Politprominenz Fototermine beim Papst zu verschaffen und schon einmal Bettelbriefe in eigener Sache verschickt.

Dass das an ihn gezahlte Piranesi-Geld nicht aus der Privat- oder aus der Pfarrkasse, sondern aus dem Etat der Katholischen Waisenhaus-Stiftung St. Josef Schrobenhausen kam, ist nicht das einzige Problem, das Mixa nun mit seinem Kunstkauf hat.

Piranesi wurde am 4. Oktober 1720 geboren. Ein auf 1707 datiertes Blatt kann also nicht einmal ansatzweise "aus der Zeit" stammen, in der er als Künstler aktiv war. Selbst wenn es sich um ein Original gehandelt hätte und selbst wenn der Inhalt der stiftungseigenen Kasse, aus der es bezahlt wurde, nicht eigentlich für die Versorgung von Waisenkindern gedacht war, wäre der Preis für die Grafik immer noch viel zu hoch gewesen: Piranesis Stiche waren schon im 18. Jahrhundert so beliebt, dass sie in hohen Auflagen gedruckt wurden.

Selbst zweifelsfreie Erstdrucke werden dabei bis heute mit kaum mehr als 10.000 Euro bezahlt. Entweder hatte der Stadtpfarrer also keine Ahnung von Kunstgeschichte und vom Kunstmarkt, oder er wollte mit dem Griff in die Waisenkasse einen Freund subventionieren.

Mixa hat inzwischen per Brief verlauten lassen, warum er den Stich und weitere Kunstwerke - darunter einen Teppich, eine Ikone (15.000 Mark) und ein Kreuz (70.500 Mark) - auf Rechnung der Waisenhaus-Stiftung gekauft habe: "Die Kinder und Jugendlichen sollten durch eine entsprechende Ausgestaltung des Hauses ein Gespür für Kunstwerke und für das Schöne entwickeln." Das erklärt natürlich alles.

Der ehemalige Stadtpfarrer sagt zwar nicht, warum aus dem gleichen Etat auch Wein für mehr als 11.000 Mark und ein Säulensockel für den gar nicht öffentlich zugänglichen Pfarrgarten (5400 Mark) bezahlt worden sind. Er bekennt sich aber zum progressiven Konzept der ästhetischen Früherziehung und erspart der Schrobenhausener Waisenhausstiftung damit das Fahrtgeld ins 40 Kilometer entfernte München und den Gruppeneintritt fürs Museum.

Wo der dafür angeschaffte, angebliche 43.000-Mark-Piranesi-Stich heute hängt, hat der inzwischen eingeschaltete Sonderermittler allerdings noch nicht herausgefunden. Er sollte erneut bei Umberto Eco nachschlagen: In dessen Rosen-Roman verschlingt der blinde Bibliothekar am Ende das Manuskript jenes Buches, das er für das gefährlichste hält. Hinter ihm steht die Bibliothek bereits in lodernden Flammen - und mit ihr die gesamte katholische Welt.

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