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10.04.10

Unruhen

Mehrere Tote bei Straßenschlachten in Thailand

Die Protestaktionen gegen die thailändische Regierung haben erstmals Menschenleben gefordert: Als Sicherheitskräfte in Bangkok gegen zehntausende Regierungsgegner vorgingen, starben nach Angaben örtlicher Medien mindestens 15 Menschen – darunter ein japanischer Reporter der Nachrichtenagentur Reuters.

© dpa/DPA
Demonstrationen in Bangkok eskaliert

Bei den Straßenschlachten in Thailand sind nach Angaben örtlicher Medien mindestens 15 Menschen getötet und mehr als 520 verletzt worden. Bei den Unruhen ist auch ein Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters getötet worden. Hiro Muramoto habe während der Proteste einen Brustschuss erlitten und sei bereits ohne Herzschlag ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilten die Ärzte mit. Die Kugel sei aus dem Rücken wieder ausgetreten. Es sei daher unklar, um welche Art von Geschoss es sich gehandelt habe.

Muramoto war japanischer Staatsbürger und arbeitete für die Redaktion von Thomson Reuters in Tokio. Kurz vor seinem Tod filmte Muramoto die gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften im Stadtteil um die Rajdumnoen Straße. Dort setzten Soldaten nicht nur Gummigeschosse und Tränengas ein, sondern feuerten auch Warnschüsse in die Luft ab. Nach Armeeangaben gaben aber auch mehrere Oppositionsanhänger Schüsse mit scharfer Munition ab.

"Ich möchte klar stellen, dass der Einsatz von scharfer Munition nur in solchen Fällen erlaubt ist, um Warnschüsse in die Luft abzugeben oder um sich selbst zu verteidigen", erklärte der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva in einer Fernsehansprache.

In Bangkok war es zuvor zu den schwersten Ausschreitungen seit Beginn der Unruhen vor etwa einem Monat gekommen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Waffengewalt gegen Oppositionelle vor. Sie feuerten Gummigeschosse und Rauchbomben auf Regierungsgegner und setzten Tränengas ein. Die Demonstranten antworteten ihrerseits mit Molotow-Cocktails. Erstmals kam es auch zu Unruhen außerhalb der Hauptstadt.

Ein Regierungssprecher sagte, die Sicherheitskräfte würden zunächst mit Verhandlungen versuchen, die immer zahlreicher werdenden Demonstranten zum Abzug zu bewegen.Zuvor hatten die "Rothemden" versucht, ein Armeegelände zu stürmen. Sie waren vom Militär mit Tränengas und Wasserwerfern zurückgedrängt worden.


An mehreren Orten der Hauptstadt bezogen Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen Stellung, wie der Armeesprecher sagte. Die Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte zehntausende Polizisten und Soldaten mobilisiert, um gegen die Rothemden vorzugehen. Die Armee übernahm nach Angaben ihres Sprechers inzwischen wieder die Kontrolle über einen oppositionellen Fernsehsender. Die Regierungsgegner hatten am Freitag das Gelände des Senders gestürmt, um die Wiederaufnahme des Sendebetriebs zu erzwingen.

Die USA forderten Thailands Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Regierung und Opposition müssten in Verhandlungen eintreten und mit friedlichen Mitteln den Konflikt beilegen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Mike Hammer. Die US-Regierung verfolge das Geschehen sehr genau.

Die Rothemden sind zumeist Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra und stammen aus den ländlichen, ärmlichen Gegenden im Norden Thailands. Sie werfen Ministerpräsident Abhisit vor, nur mit Unterstützung der Armee und im Interesse der Eliten zu regieren. Abhisit steht unter dem Druck seiner Partei, die seit Wochen andauernden Massenproteste ohne Blutvergießen zügig zu beenden.

Quelle: Reuters/AFP/cl
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