Forsa-Wahltrend
Deutsche sehnen sich nach der großen Koalition
Die schwarz-gelbe Regierung ist so unbeliebt, dass sich mehr als die Hälfte der Deutschen die große Koalition zurück wünscht. Nur noch 40 Prozent würden FDP und Union wählen – so schlecht stand das Bündnis zuletzt vor zehn Jahren da. Schuld an der Misere trägt nach Ansicht des Forsa-Chefs Vizekanzler Guido Westerwelle.
Die Beliebtheit der schwarz-gelben Regierung hat ihren Tiefststand erreicht. Würde am Sonntag gewählt, kämen Union und FDP zusammen auf gerade einmal 40 Prozent der Stimmen, ergab die Forsa-Wahltrend-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" und des TV-Senders RTL. Bei der Bundestagswahl hatten noch 48,6 Prozent der Deutschen für das Bündnis gestimmt. Unbeliebter war Schwarz-Gelb zuletzt Anfang 2000. Damals hatte die Spendenaffäre von Altkanzler Helmut Kohl die Werte von CDU/CSU nach unten gezogen.
Lieber als die jetzige Regierung würde die Mehrheit der Deutschen eine Rückkehr der großen Koalition sehen. 56 Prozent aller Befragten sagen, ihnen wäre ein derartiges Bündnis lieber als die jetzige Regierung. Der Ansicht sind sogar 45 Prozent der Unionsanhänger.
Aktuell liegt die Union bei 32 Prozent, ihrem niedrigsten Wert seit der Bundestagswahl vor einem halben Jahr. Die FDP stagniert bei 8 Prozent.
Die Opposition profitiert vom Imageverlust der Regierungsparteien: Die SPD klettert um 2 Punkte auf 25 Prozent, ihren besten Wert seit der Bundestagswahl. Die Linke steigt um einen Punkt auf 12 Prozent. Die Grünen verlieren dagegen einen Punkt, bleiben mit 15 Prozent aber weiter stark. Mit zusammen 52 Prozent liegt das Oppositionslager nunmehr 12 Punkte vor Schwarz-Gelb.
Forsa-Chef Manfred Güllner sieht als Ursache für das Stimmungstief neben dem Dauerzank von Union und Liberalen auch die Imagekrise von Guido Westerwelle. Güllner sagte dem "Stern", der Außenminister polarisiere zu stark. Dadurch verschrecke der FDP-Chef viele, die vor einem halben Jahr noch FDP gewählt hätten, und mobilisiere das Oppositionslager.
Darüber hinaus haben Christdemokraten und Christsoziale offenbar unter dem Vertrauensverlust der katholischen Kirche zu leiden. Nach Forsa-Analysen ist der Anteil der Katholiken, die für die Union stimmen wollen, zwischen Januar und März um zehn Prozent gefallen. Ende Januar begann die Welle von Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Einrichtungen. Güllner fasst zusammen: "Westerwelle und der Klerus ruinieren die Regierung."
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