Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
19.03.10

Entscheidung verschoben

Das Ringen um die Islamkonferenz geht weiter

Seit Wochen wird hinter den Kulissen über die Zukunft der Deutschen Islamkonferenz diskutiert. Die vier großen Muslim-Verbände haben eine Entscheidung über ihren Verbleib in der Konferenz erneut verschoben. Sie fühlen sich nicht ausreichend vertreten. Die Islamkonferenz steht auf wackligen Beinen.

picture-alliance/ dpa

Die Sehitlik-Moschee ist innen aufwändig verziert. Der Hauptgebetssaal, den man über zwei äußere Freitreppen erreicht, bietet Platz für etwa 1000 Gläubige. Sie beten hier täglich fünfmal.

10 Bilder

Die vier großen Muslim-Verbände haben erneut ihre Entscheidung über eine Teilnahme an der Islamkonferenz verschoben. Zunächst solle die erste Sitzung des Arbeitsausschusses für die Islamkonferenz Mitte nächster Woche abgewartet werden, erklärte die Türkisch-Islamische Union (DITIB) am Freitag in Köln. Bei dem Treffen könnten die Muslim-Verbände ihre Erwartungen vortragen. Anschließend wolle sich die DITIB mit den anderen Verbänden beraten. Die DITIB sei zuversichtlich, dass ein Konsens erzielt werden könne, der alle Seiten zufriedenstelle, betonte die Organisation.

Bereits in der vergangenen Woche hatten sich die vier Mitgliedsverbände des Koordinationsrats der Muslime – DITIB, Zentralrat der Muslime, Islamrat und Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) – nicht auf eine Teilnahme einigen können. Hintergrund der Debatte unter den Verbänden ist laut DITIB vor allem Kritik von muslimischer Seite an den geplanten Themen der Konferenz und an der Zusammensetzung des Teilnehmerkreises.

Auf Kritik war auch die Entscheidung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestoßen, den Islamrat von der Islamkonferenz auszuschließen. Der Minister begründete diesen Schritt mit laufenden strafrechtlichen Ermittlungen gegen Funktionäre von Milli Görüs, der größten Gruppe im Islamrat. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche ermittelt.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) appellierte an die drei eingeladenen islamischen Dachverbände, in der neu zusammengesetzten Islamkonferenz mitzuarbeiten. In Interviews mit dem Deutschlandfunk und dem WDR stellte sich Laschet hinter die Entscheidung von Bundesinnenminister de Maizière. "Sobald die Vorwürfe geklärt sind, kann der Islamrat wieder teilnehmen", sagte Laschet im Deutschlandfunk. Die anderen Verbände sollten jetzt die Chance nutzen, mit dem Dialog zu beginnen.

Auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt rief den Zentralrat der Muslime, DITIB und VIKZ zur Beteiligung an der Konferenz auf. Sie dürften "keine falsche Solidarität" mit dem Islamrat zeigen, sagte er dem "Münchner Merkur". Mit einer Teilnahme hätten sie "die große Chance, ein deutliches Signal dafür zu setzen, dass sie auf dem Boden unserer verfassungsmäßigen Ordnung stehen".

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu bewertete die Suspendierung des Islamrats als falsche Entscheidung. Das Bundesinnenministerium dürfe die Islamkonferenz nicht "je nach seiner saisonalen Meinung wie eine Tischgesellschaft neu zusammenstellen", sagte Zaimoglu, der vorübergehend der Islamkonferenz angehört hatte, der Berliner "tageszeitung". Er habe den Eindruck, dass die Konferenz kein Dialogforum mehr sein solle, sondern zu einer Veranstaltung unter dem Motto "Der Islam zu Gast beim Innenminister" werde.

Die Bundesregierung betrachtet die vom früheren Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) initiierte Islamkonferenz als zentrales Gremium für Beratungen über die Integration der etwa vier Millionen Muslime in Deutschland. Das erste Treffen in neuer Zusammensetzung ist für den 17. Mai geplant.

Quelle: epd/br
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
EU-Gericht: Lindts Goldhase ist keine Marke
Bitteres Hasen-Urteil

Lindt-Goldhasen bekommen keinen EU-weiten Markenschutz.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote