Nahost-Konflikt
Gewalt in Jerusalem am "Tag des Zorns"
Eine Straßenschlacht zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Polizei führte zu zahlreichen Verletzten und Festnahmen. Die radikal-islamische Hamas hatte zuvor zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen, um gegen den geplanten Siedlungsbau Israels zu protestieren.
Dutzende junger Palästinenser haben sich am Dienstag in Jerusalem gewaltsame Konfrontationen mit der israelischen Polizei geliefert. Die radikal-islamische Hamas-Organisation hatte zuvor zu einem "Tag des Zorns" in der Stadt aufgerufen. Die Eingänge zur Altstadt wurden weitgehend für Palästinenser abgeriegelt, die Schulen in der Umgebung der Altstadt blieben wegen der befürchteten Unruhen geschlossen.
In arabischen Vierteln im Norden und Osten Jerusalems warfen Demonstranten Steine, die Polizei setzte Blendgranaten ein, wie die Polizei bestätigte. Die Palästinenser berichteten von mehreren leicht Verletzten und Festnahmen. Auch im von der Hamas beherrschten Gazastreifen gingen am Dienstag mehrere tausend Palästinenser aus Protest gegen die Lage in Jerusalem auf die Straße.
Hintergrund der Unruhen sind Befürchtungen der Palästinenser, rechtsgerichtete Israelis könnten auf den Tempelberg in Jerusalem vordringen, um dort den Grundstein für einen neuen jüdischen Tempel zu legen. Muslime verehren den Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom als Haram al-Scharif (Edles Heiligtum).
Er steht nach jüdischer Überlieferung auf den Überresten des im Jahre 70 nach Beginn der modernen Zeitrechnung zerstörten zweiten jüdischen Tempels.
Polizeisprecher Rosenfeld betonte, weder jüdische Gruppen noch Touristen dürften gegenwärtig die umkämpfte heilige Stätte besuchen. "Auf den Tempelberg dürfen nur muslimische Gläubige, die älter als 50 Jahre alt sind." Die israelische Polizei nahm laut Medienberichten auch einen national-religiösen Israeli fest, welcher das gesperrte Areal auf dem Tempelberg gewaltsam betreten wollte.
In den vergangenen Tagen hatten Siedlergruppen Flugzettel an Palästinenser in Jerusalem verteilt, auf denen sie "alle Nicht-Juden" dazu aufforderten, das Land zu verlassen.
Dieses sei laut den biblischen Schriften allein den Juden vorbehalten. Die Flugzettel-Aktion sowie die Ankündigung der Regierung zum Ausbau israelischer Siedlungen in Ostjerusalem sorgte für weitere Unruhen unter Palästinensern.
Die israelische Armee verlängerte daraufhin die mehrtägige Schließung sämtlicher Checkpoints zwischen Westjordanland und Jerusalem. Die Kontrollen in der Stadt und auf den Zufahrtsstraßen wurden verschärft
Die Zusammenstöße dürften die US-Bemühungen zur Wiederbelebung der Nahost-Friedensgespräche weiter erschweren. Der am Dienstag in Jerusalem erwartete US-Sondergesandte George Mitchell verschob seine Reise um mindestens einen Tag.
Israel versteht Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Die Palästinenser sehen den Ostteil dagegen als Hauptstadt eines zukünftigen Staates.
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