Sozialpolitik
Die SPD beerdigt ihre Hartz-IV-Politik
Sonntag, 30. Mai 2010 18:18 - Von Martin Lutz und Dorothea SiemsDie SPD-Spitze distanziert sich von den Hartz-Reformen. Sieben Jahre nach Verkündung der Agenda 2010 billigte das SPD-Präsidium ein entsprechendes Konzept. Zwei Monate vor der Wahl in NRW nimmt die Partei damit Korrekturen vor, von denen sie sich mehr Rückhalt bei den Wählern verspricht.

Das Arbeitslosengeld I soll nach dem Konzept bis zu 24 statt zwölf Monate gezahlt werden, wenn sich Arbeitslose in der Zeit beruflich weiterqualifizieren. Ältere Arbeitslose ab 58 Jahren, die schon jetzt Anspruch auf 24 Monate Arbeitslosengeld I haben, könnten dann sogar auf 36 Monate kommen.
Beim Arbeitslosengeld II will die SPD auf jede Vermögensprüfung verzichten. Hartz-IV-Bezieher müssten dann nicht mehr die eigenen Ersparnisse bis zu einem Freibetrag aufzehren, bevor es staatliche Unterstützung gibt. Nur Einkünfte daraus, wie etwa Zinsen, würden angerechnet.
„Damit wird die Lebensleistung eines jeden respektiert“, sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Auch den Übergang vom Arbeitslosengeld I zu Hartz IV will die SPD stärker abfedern. Der bisherige, auf zwei Jahre begrenzte Übergangszuschlag von bis zu 160 Euro im Monat soll so „weiterentwickelt“ werden, dass sich lange Beschäftigungszeiten von Arbeitnehmern darin niederschlagen.
Zu dem von Parteivize Olaf Scholz erarbeiteten Konzept mit dem Titel „Fairness auf dem Arbeitsmarkt“ gehört außerdem ein Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde, den auch die Gewerkschaften fordern. Bislang waren die Sozialdemokraten für 7,50 Euro. Angesichts der 2011 in Kraft tretenden vollen Freizügigkeit für Arbeitnehmer in der EU würden solche Mindestlöhne umso wichtiger, sagte Gabriel.
Nach Berechnungen der SPD soll dieser Ausbau des öffentlich geförderten Beschäftigungssektors drei Milliarden Euro kosten. Die Kosten für die Ausweitung des Arbeitslosengelds I bezifferte Gabriel nicht. Finanziert werden solle dies aus der Arbeitslosenversicherung.
Zwei Monate vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen nimmt die SPD damit Korrekturen vor, von denen sie sich mehr Rückhalt bei den Wählern verspricht. Ökonomen warnen indes vor den Folgen, sollten die SPD-Vorschläge umgesetzt werden.
Ein Mindestlohn von 8,50 Euro „hätte gravierende Beschäftigungsverluste zur Folge“, sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, zu Morgenpost Online. Fragwürdig und keineswegs fair sei auch die Forderung, auf eine Vermögensprüfung bei Hartz-IV-Empfängern gänzlich zu verzichten.
„Die Mittel für Hartz IV müssen von den Steuerzahlern aufgebracht werden, von denen viele auch aufgrund ihrer Abgabenbelastung nicht in der Lage sind, Vermögen zu bilden“, monierte der Ökonom.
Die Arbeitsmarktreformen hätten deutliche Erfolge gebracht, sagte Hüther: „Ich verstehe nicht, wie man das jetzt leichtfertig aufgibt.“ Kritik übte auch FDP-Fraktionsvize Heinrich Kolb, der von einer „Rolle rückwärts der SPD bei Hartz IV“ sprach. Die Partei würde ihre einstige Überzeugung auf dem Altar der Koalitionsfähigkeit mit den Linken opfern.
Erschienen am 15.03.2010






Stellenmarkt
Wohnungen
Branchenbuch
Kleinanzeigen
Veranstaltungen
Kinoprogramm










Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich