Missbrauchskandal
Kanzlerin Angela Merkel glaubt an den Papst
Mittwoch, 17. März 2010 17:33Bundeskanzlerin Merkel ist zufrieden mit der Reaktion des Papstes auf die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen. Sie wertet diese als "Rückendeckung" für die Aufklärungsbemühungen der Kirche. Damit weist Merkel die Kritik am Papst im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal zurück.

Merkel habe es begrüßt, dass Papst Benedikt XVI. die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung unterstrichen habe. „Sie ist zufrieden mit der Botschaft, die Erzbischof Robert Zollitsch aus dem Vatikan mitgebracht hat“, sagte Steegmans. Die Kanzlerin werte das Verhalten des Papstes in der Debatte über Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen als volle Rückendeckung für die Aufklärungsbemühungen der Kirche.
Für die Bundesregierung sei es ein gutes Zeichen, dass die Bemühungen der katholischen Kirche und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, „ausdrücklich die Rückendeckung des Vatikans haben“. Die Regierung sei zufrieden mit dem, was Zollitsch an Botschaften aus dem Vatikan mitgebracht habe.Zugleich mahnte die CDU-Chefin eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Kindesmissbrauch an, da es nicht nur um sexuellen Missbrauch in der katholische Kirche gehe.
Zollitsch hatte am Freitag bei einer Audienz mit Papst Benedikt XVI. über die Missbrauchsfälle in Deutschland gesprochen. Danach drang lediglich an die Öffentlichkeit, dass der deutsche Papst sehr erschüttert sei. Beim traditionellen Angelus-Gebet am Sonntag in Rom sprach das Kirchenoberhaupt den Skandal aber nicht an.Außerdem berichteten am Wochenende mehrere Zeitungen, dass in der Amtszeit des heutigen Papstes als Erzbischof von München und Freising ein wegen Kindesmissbrauchs vorbelasteter Priester in der Gemeindearbeit eingesetzt worden sein. Der Vatikan sprach daraufhin von einer Verleumdungskampagne gegen den Papst. Kirchenkritiker und Missbrauchsopfer forderten eine Entschuldigung des Papstes.
Bundesjustizministerin Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bekräftigte ihre Forderung nach einer „institutionalisierten Form der Aufarbeitung“.Ihr Sprecher Ulrich Staudigl sagte, mittlerweile stehe ein Gesprächstermin der Ministerin mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, fest. Wann dieser Termin konkret sei, ließ Staudigl offen. Dazu werde es aber „zeitnah“ eine Information geben.
Bei dem Gespräch solle es auch darum gehen, welche institutionalisierte Form der Aufarbeitung ein „denkbarer guter Weg“ für die katholische Kirche sei. Der Ministerin gehe es aber auf jeden Fall um die Prävention und die institutionalisierte Form der Aufarbeitung.
In der Debatte um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen hatte die Justizministerin vor drei Wochen mit deutlicher Kritik am kirchlichen Kurs für Empörung der Bischöfe gesorgt. Seitdem äußerte sie sich dazu in zahlreichen Interviews. Ein Termin mit Zollitsch kam jedoch nicht zustande. dpa/KNA/brErschienen am 15.03.2010






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