Missbrauchskandal
Katholische Jugend fordert Erklärung vom Papst
Die Katholische Jugend in Deutschland will, dass Papst Benedikt XVI. sich zu den Missbrauchsfällen in Einrichtungen der Kirche äußert. Auch Wolfgang Thierse (SPD), der dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört, kritisierte den Papst: Die Kirche müsse mit sich ehrlicher und strenger sein.
Als Papst Benedikt XVI. als Erzbischof tätig war, wurde in seinem Bistum ein Priester in der Gemeindearbeit eingesetzt, obwohl dieser wegen Kindesmissbrauchs vorbelastet war. WELT ONLINE blickt auf diesen Lebensabschnitt Ratzingers zurück.
Papst Benedikt XVI. wird von der katholischen Jugend zu einer öffentlichen Stellungnahme zu den Missbrauchsfällen gedrängt. "Das beschäftigt die Menschen, ob sie gläubig sind oder nicht, und der Heilige Vater sollte sich dazu äußern", sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, der "Berliner Zeitung". Kritik kam am Montag auch von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse, der dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört.
Der Papst solle sich auch deshalb äußern, weil die deutsche katholische Kirche "in einer ihrer tiefsten Sinnkrisen seit 1945 steckt", sagte Tänzer. Zudem komme der Papst aus der katholischen Kirche in Deutschland. Der BDKJ ist der Dachverband von 15 katholischen Kinder- und Jugendverbänden, in denen rund 650.000 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 28 Jahren organisiert sind. Der BDKJ gehört auch dem ZdK an, der von der Bischofskonferenz anerkannten Laienorganisation der Katholiken.
Thierse bezeichnete die Vertrauenswürdigkeit der Kirche durch die bekannt gewordenen Fälle von Kindesmissbrauch schwer erschüttert. "Die Kirche muss mit sich ehrlicher und strenger sein. Und das gilt natürlich auch für den Papst", sagte der SPD-Politiker in der ARD. "Gerade für eine Institution, die moralische Autorität beansprucht, sind strengere Maßstäbe anzulegen, selbst wenn man weiß, dass es Kindesmissbrauch nicht nur unter dem Dach der Kirche gegeben hat, sondern massenhaft in Familien und Schulen."
ZdK-Präsident Alois Glück wies Forderungen zurück, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche müsse sich öffentlich zu den Missbrauchsfällen in Deutschland äußern. "Wir haben es hier mit einem hausgemachten Problem unserer Kirche in Deutschland zu tun", sagte Glück der "Passauer Neuen Presse". Wenn die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Deutschland ihrer Pflicht zur Aufarbeitung nicht gerecht würden, wäre es Sache des Papstes, sich einzuschalten. "Aber ich sehe nicht, dass das notwendig wäre", sagte Glück.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Katholische Kirche: Bischöfe fordern Recht auf Heirat für Priester
- Erfahrung eines Schriftstellers: Die Macht des missbrauchten Kindes
- Missbrauchsskandal: Vatikan glaubt an Verschwörung gegen den Papst
- Entschuldigung gefordert: Kirchen-Reformer setzen den Papst unter Druck
- Amtszeit als Erzbischof: Kirche bestätigt Missbrauch in Ratzingers Bistum
-
09:12Schulden-Haushalte: Sarrazin vergleicht Griechenland-Krise mit Berlin
-
09:08GfK-Konsumklima: Deutsche Verbraucher optimistischer als die Firmen
-
09:05Bagdad : USA nennen Ergebnis der Atomgespräche mit Iran...
- 1. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 2. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 3. Schuldenkrise Keine Annäherung zwischen Merkel und Hollande
- 4. EU-Gipfel Griechenland soll nicht um jeden Preis im Euro bleiben
- 5. Ausreißer Kater Felix legt 240 Kilometer bis nach Berlin zurück














