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Katholische Kirche

Bischöfe fordern Recht auf Heirat für Priester

Mehrere Bischöfe haben dazu aufgerufen, parallel zur zölibatären Lebensform auch verheiratete Priester zu akzeptieren. Papst Benedikt XVI. erteilte dieser Anregung eine strikte Absage. Die Ehelosigkeit der Priester sei ein Geschenk Gottes, das nicht dem Zeitgeist geopfert werden solle.

Hans- Jochen Jaschke
Foto: dpa
Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (2.v.l.) hat sich für ein Nebeneinander von zölibatär lebenden und verheirateten Priestern ausgesprochen

Die Serie von Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche hat die Debatte um die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester neu entfacht. Am Wochenende riefen mehrere Bischöfe dazu auf, über den Zölibat nachzudenken und zum Beispiel parallel zur zölibatären Lebensform auch verheiratete Priester zu akzeptieren.

Sie schlossen sich damit einer Forderung an, die reformorientierte Theologen und katholische Laienverbände schon seit Jahren vorbringen. Gleichzeitig betonten die Geistlichen, der Zölibat sei keine hinreichende Erklärung für die pädophilen Auswüchse in der Kirche. Papst Benedikt XVI. will dagegen an der Ehelosigkeit der Priester festhalten.

Als erster prominenter deutscher Oberhirte sprach sich der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke für ein Nebeneinander von zölibatär lebenden und verheirateten Priestern aus. Geistliche müssten ein unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität gewinnen. „Man muss sich selber auch als sexuelles Wesen erfahren“, sagte Jaschke. Der sexuelle Trieb dürfe nicht abgeklemmt werden. Die zölibatäre Lebensform könne „auch Menschen anziehen, die eine krankhafte Sexualität haben“. Sie würden hierin fälschlicherweise „eine Lösung ihrer Erkrankung“ sehen.

Unterstützung erhielt Jaschke vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser: „Die Zeiten und die Gesellschaft haben sich verändert. Deswegen wird die Kirche überlegen müssen, wie sie diese Lebensform (des Zölibats) weiterpflegen kann, oder was sie verändern muss“, sagte Kothgasser.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), des wichtigsten katholischen Laiengremiums in Deutschland, regte ebenfalls eine Debatte um den Zölibat an. Die Kirche müsse „Konsequenzen struktureller Art ziehen und dabei reflektieren, ob es kirchenspezifische Bedingungen gibt, die den Missbrauch begünstigten“, sagte der ZdK-Vorsitzende Alois Glück. „Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals.“ Die Lockerung des Pflichtzölibats sei „ein Weg“, sagte Glück.

Die Kirche hat in der Vergangenheit immer wieder um die Frage nach der Ehelosigkeit der Priester gerungen. Bisher war in Mitteleuropa vor allem der Priestermangel das wichtigste Argument gegen den Zölibat. Die Zahl der Geistlichen ist in Deutschland seit Jahren rückläufig.

Dass die Ehelosigkeit eine besondere Hürde auf dem Weg zur Priesterweihe ist, wird von der Kirche nicht bestritten. Franz Joseph Baur, als Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz der oberste Priesterausbilder in Deutschland, sagte Morgenpost Online: „Man wird nicht klein reden können, dass als häufigster Grund für den Abbruch der Priesterausbildung der Zölibat genannt wird. Dass einer sagt: Ich möchte heiraten.“ Er schätze, dass etwa ein Drittel der Priesteramtskandidaten nicht bis zur Weihe kommt, so Baur. Trotzdem widerspreche er der These, der Zölibat sei der Hauptgrund für den Nachwuchsmangel.

Der Papst erteilte einer Lockerung des Zölibats am Wochenende erneut eine Absage. Die Ehelosigkeit der Priester sei ein Geschenk Gottes, das nicht dem Zeitgeist geopfert werden solle, sagte er auf einer Konferenz im Vatikan.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, stellt den Zölibat nicht in Frage. Die Missbrauchsfälle hätten nach Ansicht aller Fachleute nichts mit der Ehelosigkeit zu tun, sagte er. Als Zollitsch im Februar 2008 sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz antrat, hatte er den Zölibat noch als „theologisch nicht notwendig“ bezeichnet.



Erschienen am 14.03.2010

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