Georgien
TV-Sender löst Panik aus – Die Russen kommen
Dienstag, 16. März 2010 13:06 - Von Manfred QuiringRussische Panzer auf dem Weg nach Tiflis, Bombenangriffe und ein Mord am Präsidenten: Ein georgischer TV-Sender löste erst nach der Übertragung seine Kriegsfiktion auf. Zu viel für die Nerven der Bevölkerung. Da war das Mobilfunketz schon tot und der Rettungsdienst wegen zahlreicher Herzattacken überlastet.

Als Orson Welles vor über 70 Jahren Außerirdische in einer fiktiven Rundfunkreportage in den Vereinigten Staaten landen ließ, gerieten die Bewohner der US-Ostküste in Panik. Am Wochenende versuchte sich der georgische Fernsehsender Imedi TV in diesem Genre. 30 Minuten lang zeigte der private TV-Kanal eine beginnende russische Invasion, die durch angebliche bewaffnete Zusammenstöße der aggressiven Opposition mit der georgischen Polizei ausgelöst worden sei.
Erst nach Ablauf der halbstündigen Sendung stellte Imedi TV klar, dass die Übertragung eine Fiktion war, für die Szenen aus dem georgisch-russischen Krieg im August 2008 verwendet worden waren. Später entschuldigte sich der TV-Sender.
Was auf Außenstehende wie ein plumper Scherz wirkt, geht den Georgiern an die Substanz. Sie sind psychisch gezeichnet durch den Krieg vom August 2008. Jedes Gerücht, dass die Russen kommen, fällt auf fruchtbaren Boden. Und wenn – wie zu vermuten steht – die Saakaschwili-Regierung damit die Opposition diskreditieren kann, wird dieser Effekt gerne in Kauf genommen.Erschienen am 14.03.2010






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