Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
14.03.10

FDP-Parteitag

Westerwelle holt zum Rundumschlag aus

Auf dem FDP-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen hat Guido Westerwelle der Opposition ein durchsichtiges Spiel vorgeworfen. "Wir erleben, wie in NRW eine linke Mehrheit vorbereitet werden soll", sagte der Parteivorsitzende in einer kämpferischen Rede – und griff auch die Medien scharf an.

dpa/DPA

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (l, FDP) besichtigte das Werk Siemens do Brasil in Jundiai bei Sao Paulo. Westerwelles bislang längste Auslandsreise stand unter einem schlechten Stern: Ihm wurde vorgeworfen...

18 Bilder

FDP-Chef Guido Westerwelle hat seinen Vorwurf bekräftigt, die Opposition wolle mit Attacken auf die Auswahl seiner Reisebegleiter den Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen beeinflussen. "Wir erleben, wie in NRW eine linke Mehrheit vorbereitet werden soll. Das ist, worum es in Wahrheit geht", sagte er beim Landesparteitag der NRW-FDP in Siegen.

Dass die Opposition auch Bundespräsident Horst Köhler in die Auseinandersetzung hineinziehe, sei ein absoluter Tiefpunkt und unanständig, fügte Westerwelle hinzu – in Anspielung auf kritische Fragen nach Köhlers Haltung in der Sozialstaatsdebatte. Die Gegner der FDP hätten vor gar nichts mehr Respekt.

Die SPD wies die Vorwürfe zurück. "Die aggressive Art, mit der Westerwelle auf diese Kritik reagiert, zeigt, dass er immer noch nicht begriffen hat, dass ein Ministeramt mit Augenmaß geführt und Privilegien nicht nach Gutsherrenart verteilt werden dürfen", erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann.

Westerwelle griff auch die Medien scharf an. "Ihr kauft mir den Schneid nicht ab", sagte er. Die Parteitagsdelegierten feierten den FDP-Chef für diese Aussagen. Zur Kritik an der Zusammensetzung seiner Delegationen bei Auslandsreisen sagte Westerwelle: "Ich werde auch in Zukunft als Außenminister der deutschen Wirtschaft und insbesondere dem Mittelstand in anderen Ländern die Türen öffnen."

Bei seinem ersten offiziellen Auftritt nach der Rückkehr von seiner Südamerika-Reise bekräftigte Westerwelle auch seine Äußerungen zur Sozialpolitik. Leistungsgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit gehörten zusammen, sagte der FDP-Vorsitzende. "Wir bleiben dabei: Leistung muss sich lohnen, damit gerade das erwirtschaftet werden kann, das jene brauchen, die keine faire Chance im Leben hatten." Von jungen und gesunden Empfängern von Transferleistungen müsse erwartet werden dürfen, dass sie bereit seien zu einer "Gegenleistung" an den Staat, der sie unterstütze.

Westerwelle war wegen seiner Äußerungen zur Sozialpolitik zuletzt heftig angegriffen worden. Er hatte unter anderem fehlende Leistungsanreize bemängelt und von "spätrömischer Dekadenz" bei Hartz-IV-Beziehern gesprochen.

Auf dem Parteitag bestätigte die NRW-FDP vor der Westerwelle-Rede ihren Landesvorsitzenden Andreas Pinkwart mit 95,5 Prozent der Stimmen in seinem Amt. Der Wissenschaftsminister, auch Spitzenkandidat der Liberalen bei der Landtagswahl, fuhr damit sein bisher bestes Ergebnis ein.

Pinkwart schwor die rund 400 Parteitagsdelegierten auf einen harten Wahlkampf gegen SPD, Grüne und Linkspartei ein. Die FDP müsse am 9. Mai "Veränderungen im Machtgefüge der ganzen Republik" verhindern, hatte er am Samstag gesagt. Es gehe darum, ob der Weg für Deutschland und Nordrhein-Westfalen weiter nach oben führe oder "scharf links in den Abgrund dreht. Die Grünen ruinieren unser Land, wenn man sie nur lässt."

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) versicherte in seinem Glückwunsch an Pinkwart, er wolle nach der Landtagswahl "die bewährte christlich-liberale Koalition fortsetzen". Die FDP hatte schwarz-grüne Gedankenspiele bei der CDU kritisiert. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der "Bild am Sonntag", in Nordrhein-Westfalen sei auch ein Bündnis der Grünen mit der CDU möglich.

Ein Kernpunkt des beim Parteitag in Siegen verabschiedeten Wahlprogramms ist die Bildungspolitik. Darin grenzt sich die FDP vorsichtig von ihrem Koalitionspartner CDU ab. Anders als die Christdemokraten wollen die Liberalen Änderungen an der Schulstruktur vornehmen. Sie schlagen eine "regionale Mittelschule" einführen, zu der Haupt-, Real- und Gesamtschulen zusammengelegt werden können.

.

Quelle: AFP/dpa/fas
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
EU-Gericht: Lindts Goldhase ist keine Marke
Bitteres Hasen-Urteil

Lindt-Goldhasen bekommen keinen EU-weiten Markenschutz.

Video Nachrichten mehr
Eurovision 2012 Die ersten Finalteilnehmer für Baku stehen fest
Fußball-EM 2012 Lukas Podolski hält Titelgewinn für möglich
Disco Queen Trauerfeier für Donna Summer
Rüstung Amnesty fordert Kontrolle des Waffenhandels
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote