Bankdatenkauf
Schäuble ruft Steuersünder zu Selbstanzeige auf
Donnerstag, 4. Februar 2010 14:44Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist der Kauf der CD mit gestohlenen schweizer Bankdaten bereits beschlossene Sache – trotz heftiger Kritik auch aus eigenen Reihen. Deutschen, die in der Schweiz geheime Konten unterhielten, bliebe daher nur noch eines, sagte Schäuble: die Selbstanzeige.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat deutschen Besitzern von Schweizer Geheimkonten zur Selbstanzeige bei den Finanzämtern geraten. Die Entscheidung, die CD mit gestohlenen Schweizer Bankdaten zu kaufen, sei "im Prinzip gefallen" sagte der CDU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“: „Ich kann nur jedem, der meint, dass er in der Vergangenheit Steuern hinterzogen haben könnte, den Rat geben, das Angebot in unserer Abgabenordnung zur Selbstanzeige zu nutzen.“
Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder appellierte an Inhaber versteckter Auslandskonten, sich zu offenbaren. Schon nach der Liechtenstein-CD sei klar gewesen, dass weitere CDs auftauchen würden, wenn der Staat zahle, sagte der CDU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Für die Steuersünder kann dies nur bedeuten, jetzt reinen Tisch zu machen.“Ein Informant hat der Bundesregierung eine Datensammlung von bis zu 1500 Deutschen angeboten und verlangt dafür 2,5 Millionen Euro. Die Behörden wollen jetzt zügig das Geschäft abschließen. Letzte rechtliche Fragen werden von den nordrhein-westfälischen Finanzbehörden zusammen mit dem Bund geprüft.
Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, verurteilte den geplanten Ankauf der Steuersünder-Datei. „Wenn der Staat die Daten kauft, schließt er einen Pakt mit einem Straftäter“, warnte er in der „Passauer Neuen Presse“. Im Fall Liechtenstein seien die Dinge anders gelegen. Da habe der Bundesnachrichtendienst gekauft. Im aktuellen Fall gehe es darum, dass ein Straftäter der Bundesrepublik direkt die Daten anbiete. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sprach sich hingegen für den Ankauf aus. „Die Dinge sind verhältnismäßig und stehen im Lot“, sagte er im TV-Sender Phoenix.
Der Unions-Mittelstandsvorsitzende Josef Schlarmann warnte in n- tv, der Ankauf der Steuersünder-CD würde den Rechtsstaat gefährden. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß griff im Gespräch mit dem Sender die Schweiz scharf an. „Die Schweiz bunkert seit Jahrzehnten Diebesgut. Das ist doch unstrittig“, sagte er. Poß fordert zudem ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder. „Bei einigen ist ja wohl der Steuerspartrieb stärker ausgebildet als der Sexualtrieb“, sagte er.
Erschienen am 03.02.2010






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