Konfusion in der FDP
Westerwelle düpiert Rösler bei Zusatzbeiträgen
Die Zwist zwischen Union und FDP in der Gesundheitspolitik schwelt seit dem ersten gemeinsamen Regierungstag. Nun aber finden nicht einmal mehr die Liberalen in ihrer Partei zu einer Sprachregelung. Die Zusatzbeiträge will Guido Westerwelle verbieten. Partei- und Ministerkollege Rösler hält das für "Aktionismus".
Von Philipp Neumann
FDP-Chef Guido Westerwelle und sein Stellvertreter Andreas Pinkwart haben sich für ein Verbot der Zusatzbeiträge ausgesprochen. Wenn die Union eine Initiative zur Aussetzung oder Abschaffung der Zusatzbeiträge ergreifen wolle, sei die FDP dazu bereit, sagte Westerwelle. Eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) verwarf diesen Vorschlag als "Aktionismus". Bei der anstehenden Gesundheitsreform gehe es darum, die Zusatzbeiträge weiterzuentwickeln; dies bereite man sorgfältig vor.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über eine Sprecherin mitteilen, die Zusatzbeiträge seien "geltende Rechtslage". Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Jens Spahn (CDU) erinnerte den Koalitionspartner FDP: "Wer die Zusatzbeiträge in Frage stellt und sie nicht zur lohnunabhängigen Prämie weiterentwickeln will, stellt das grundsätzliche gemeinsame Ziel in Frage."
Konfusion herrscht in der Koalition auch bei der Frage ob und wie bei Arzneimitteln gespart werden kann. Nachdem Gesundheitsminister Rösler Einsparungen angekündigt hat und dafür Rückendeckung aus der CDU bekam, widersprach Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU).
Er ist dagegen, die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel durch ein schnelles Sparpaket zu senken. "Ich möchte keine Hoppla-Hopp-Politik und keine Zwangsmaßnahmen nach der Methode Ulla Schmidt", sagte Söder Morgenpost Online. Er warb stattdessen für einen "fairen Dialog" mit der Pharmaindustrie. Man müsse langfristig wirkende Lösungen finden. Söder nannte als Beispiel mehr Verhandlungsmöglichkeiten zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern.
Vor drei Tagen hatte er Rösler noch Untätigkeit vorgeworfen und schnelle Einsparungen gefordert, um Zusatzbeiträge der Kassen zu vermeiden. Söder behauptet, man könne 20 Milliarden Euro sparen, wenn die Bürokratie im Gesundheitswesen verringert werde. Konkrete Vorschläge machte er nicht, sondern regte die Bildung einer neuen Expertenkommission an.
Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag und Generalsekretärin ihrer Partei in Bayern, Miriam Gruß, warf Söder daraufhin vor, "heute so und morgen anders" zu reden. "Gesundheitsminister Rösler wird harte Sparmaßnahmen bei Arzneimitteln im Interesse der Versicherten ankündigen", sagte sie Morgenpost Online.
"Wir wollen noch in diesem Jahr mit der Pharmabranche Einsparungen verabreden", versprach auch FDP-Gesundheitspolitikerin Ulrike Flach. Das sei der erste Teil von mehreren Einsparmaßnahmen, sagte Flach ohne konkreter zu werden. Demnächst will Rösler mit Krankenkassen und Pharmafirmen über Sparpotenziale sprechen.
Minister Söder lehnt auch den Vorschlag seines Kollegen Rösler ab, die Dauer des Patentschutzes für neue Medikamente zu überprüfen. "Das ist der falsche Weg. Wenn wir am Patentschutz rütteln, schädigen wir den Pharmastandort Deutschland", warnte Söder nach einem Gespräch mit Pharmafirmen in München.
Rösler hatte angekündigt, die Preisgestaltung der Firmen überprüfen zu wollen. Man müsse darüber sprechen, wie lange die Preise von Medikamenten durch Patentschutz hochgehalten werden könnten.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach forderte dagegen, "überflüssige Gewinne" der Apotheken zu nutzen, um die Krankenkassen-Zusatzbeiträge zu vermeiden.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Krankenakten zugänglich: So schlampig ging die größte BKK mit Daten um
- Sicherheitsleck: Datendiebe erpressen Deutschlands größte BKK
- Zusatzbeiträge: Erste Krankenkasse verlangt nun zwölf Euro mehr
- Gesundheitsreform: Kassen gewähren Rabatt auf Zusatzbeiträge
- Zusatzbeiträge: DAK-Chef wundert sich über Schelte der Politiker
- Geplante Zusatzbeiträge: CDU-Experte empfiehlt Wechsel der Krankenkasse
-
08:45Testergebnis: Sicherheit ist bei Kindersitzen nicht garantiert
-
08:43Missbrauch-Prozess: Parkeisenbahn-Täter bitten um Entschuldigung
-
08:22Bundestag: Jeder soll sich mit der Frage der Organspende...
- 1. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 2. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 3. Schuldenkrise Keine Annäherung zwischen Merkel und Hollande
- 4. EU-Gipfel Griechenland soll nicht um jeden Preis im Euro bleiben
- 5. Ausreißer Kater Felix legt 240 Kilometer bis nach Berlin zurück














