Bilanz der Konfliktforscher
2009 – Weniger Kriege, Krisen und Konflikte
Die Zahl der Kriege und gewaltsamen Konflikte ist in diesem Jahr zurückgegangen. Gemessen am Krisen-Höchststand von 51 im Jahr 1992 bewege sich dieses Jahr mit 31 schweren Konflikten auf mittlerem Niveau, betonen die Heidelberger Konfliktforscher. Die Experten warnen allerdings vor zu viel Optimismus.
2009 hat es weniger Kriege und gewaltsame Konflikte gegeben. Von insgesamt 365 Krisen seien 31 als schwere Konflikte und sieben als Kriege einzustufen, teilte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung bei der Veröffentlichung des aktuellen "Konfliktbarometers" mit. Der Rückgang schwerer Krisen sei jedoch kein Grund für übermäßigen Optimismus, betonten die Forscher. 2008 zählte das Institut 39 schwere Konflikte und neun Kriege.
Die gewaltsamen Auseinandersetzungen seien zumeist in regionale Konflikte eingebunden, in denen sich Krisen gegenseitig anheizten, erklärte Forscherin Lotta Mayer. "Daher ist die Deeskalation einzelner Konflikte möglicherweise von nur vorübergehender Dauer."
Auch die 112 Konflikte, in denen die Gewalt sporadisch aufflackerte, bergen nach ihrer Aussage ein hohes Risikopotential für die Zukunft. Zudem schwanke die Zahl der schweren Konflikte seit einigen Jahren um die 35. Gemessen am Krisen-Höchststand von 51 im Jahr 1992 bewege sich 2009 auf mittlerem Niveau, betonte Mayer.
Mit jeweils neun schweren Konflikten sind der Nahe und Mittlere Osten sowie Asien und Afrika südlich der Sahara die meistbetroffenen Regionen der Erde. In Amerika steigt die Zahl der Krisen von zwei auf drei, dazu kommt der Drogenkrieg in Mexiko. In Europa entspannt sich die Lage nach dem Rückzug der russischen Armee aus Georgien. Doch die Lage verschlechtert sich in den Kaukasus-Republiken Tschetschenien und Inguschetien.
Als Krieg bezeichnen die Forscher den Kampf zwischen den Taliban und den Regierungen in Afghanistan und Pakistan, den israelischen Angriff auf den Gaza-Streifen und die Auseinandersetzungen zwischen schiitischen Rebellen und Regierungstruppen im Jemen.
Auch die Offensive der Armee in Sri Lanka, die zur Niederschlagung der tamilischen Rebellen führte, zählt das Institut zu den Kriegen, ebenso die Kämpfe zwischen islamistischen Gruppen und der Übergangsregierung in Somalia. Dies waren den Forschern zufolge Auseinandersetzungen mit massivem Einsatz von organisierter Gewalt.
Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg war in ihrem veröffentlichten Bericht auf insgesamt 34 Kriege und bewaffnete Konflikte weltweit gekommen. "Krieg" definiert das Uni-Institut als gewaltsamen Massenkonflikt, bei dem mindestens zwei bewaffnete Streitkräfte mit einem Mindestmaß an zentral gelenkter Organisation beteiligt sind und die militärischen Handlungen mit einer gewissen Regelmäßigkeit und Dauer stattfinden.
2009 habe es die wenigsten Kriege seit 1993 gegeben. Allerdings warnten auch die Hamburger Forscher vor Optimismus. Der Trend der vergangenen Jahre bedeute nicht, dass die Welt friedlicher geworden sei.
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