11.12.09

Nach Afghanistan

Guttenberg zufrieden mit Blitzbesuch in Kundus

Nach seinem überraschenden Ein-Tages-Besuch von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein positives Fazit gezogen. Allerdings: Während seines Besuchs wurde eine deutsche Patrouille nahe Kundus mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen.

Foto: AP
Karl-Theodor zu Guttenberg
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Gespräch mit deutschen ISAF-Soldaten im Feldlager in Kundus

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat am Freitag überraschend die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan besucht und anschließend ein positives Fazit gezogen. Er habe in Kundus hochmotivierte Soldaten vorgefunden, die sehr dankbar gewesen seien, dass er seine Fehleinschätzung des verheerenden Luftangriffs korrigiert habe, sagte der CSU-Politiker am Abend nach seiner Rückkehr in Berlin.

Während seines Besuchs wurde eine deutsche Patrouille nahe Kundus mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen. Als die Soldaten nach Angaben der Bundeswehr das Feuer erwiderten, ergriffen die Angreifer die Flucht. Deutsche Soldaten seien nicht verwundet worden.

Guttenberg warnte davor, die politischen Debatten über den Luftangriff auf dem Rücken der Soldaten auszutragen und diese zu diskreditieren. Dies dürfe "um Himmels Willen" nicht geschehen. Die Soldaten hätten auch begrüßt, dass er den umstrittenen deutschen Oberst Georg Klein, der den Luftangriff befohlen hatte, nicht fallengelassen habe, fügte der Minister hinzu. Es sei nun Sache des Untersuchungsausschusses, die Dinge aufzuklären.

Guttenberg stattete dem Bundeswehrcamp in Kundus in Nordafghanistan einen Blitzbesuch ab. Er betonte, es bestehe ein "berechtigter Aufklärungsbedarf des Deutschen Bundestags". Klar sei, dass es bei dem Bombardement aus heutiger Sicht Verfahrensfehler gegeben habe.

Der Minister wurde auf seiner überraschend anberaumten zweiten Reise nach Afghanistan von Verteidigungspolitikern der Bundestagsfraktionen begleitet. Er stellte sich erneut vor Oberst Klein. Dieser hatte die Bombardements der zwei von Taliban gekaperten Tanklaster am 4. September angeordnet, bei denen bis zu 142 Menschen getötet wurden, darunter viele Zivilisten.

Unter Berufung auf den ISAF-Bericht meldete die "Süddeutsche Online", dass der Angriff nicht primär den Tanklastzügen gegolten habe, sondern einer Gruppe von Taliban. Oberst Klein "wollte die Menschen angreifen, nicht die Fahrzeuge", heiße es darin.

Guttenberg sprach in Kundus mit dem Kommandeur des Wiederaufbauteams Kundus über das weitere Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan. Dabei seien nicht nur die Ergebnisse der internationalen Afghanistan-Konferenz Ende Januar in London wichtig, sondern auch die Impulse der Soldaten.

Der Verteidigungsausschuss des Bundestags konstituiert sich am kommenden Mittwoch als Untersuchungsausschuss, um den Verlauf der Ereignisse rund um die Bombardierung aufzuklären. Der Minister mahnte in Kundus, der Untersuchungsausschuss dürfe nicht zur Diskreditierung der Soldaten führen, sondern müsse zur Optimierung der Rechtssicherheit beitragen.

Seine ursprüngliche Bewertung vom 6. November, das Bombardement sei militärisch angemessen gewesen, nannte Guttenberg in der ARD erneut eine "Fehleinschätzung". Sie habe auf dem Sachstand der damaligen Zeit basiert. Den Bericht des Roten Kreuzes, der bereits damals von zahlreichen zivilen Opfern sprach, habe er aber "in dem Moment, indem ich ihn bekommen habe, auch sofort mitgeteilt".

Den Bericht bekam er den Informationen zufolge eine Stunde, bevor er seine erste Bewertung abgab. Im Wesentlichen stützte er sich aber auf den Nato-Bericht zu den Vorfällen.

Quelle: AP
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Die Kristall-Therme in Ludwigsfelde wird jetzt videoüberwacht
18:41Ludwigsfelde
Freizeitbad startet Offensive gegen Kindesmissbrauch

In einem beliebten Freizeitbad vor den Toren Berlins ist es vermehrt zu sexuellen Übergriffen gekommen - auch auf Kinder. Nun wird die Therme in Abstimmung mit der Polizei mit Videokameras überwacht. mehr...


Im Olympiastadion steht ein weiteres Sporthighlight bevor: das Champions-League-Finale 2015
Aktualisiert vor 9 MinutenFußball
Finale 2015 der Champions League im Olympiastadion

Dieses Jahr bekommt Berlin die Fanmeile zum Champions-League-Finale – in zwei Jahren wird das Spiel hier im Olympiastadion stattfinden. Berlins Fußball-Präsident verspricht: "Wir können Fußball". mehr...

Ein saniertes und ein unsaniertes Wohnhaus in der Neuen Bahnhofstraße am 09.04.2013 in Berlin in Friedrichshain. Foto: Jens Kalaene/dpa
16:41Mietspiegel
Berliner Durchschnittsmiete steigt um mehr als sechs Prozent

Der Berliner Mietspiegel ist erneut gestiegen, wenn auch weniger stark als zuvor. Wer möglichst stabile Mieten möchte, sollte aktuell in Wohnungen ziehen, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. mehr...


Die Aufbauarbeiten laufen, der Veranstalter erwartet 100.000 Fußballfans zum Champions-League-Finale auf der Fanmeile in Berlin
16:04Champions League
Fanmeile zum Finale soll Party mit Videoüberwachung werden

Auf der Berliner Fanmeile zur Champions League erwartet der Veranstalter trotz Regen 100.000 Menschen. Ein umfassendes Sicherheitskonzept soll mit dazu beitragen, dass das Party-Konzept aufgeht. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia

Luftangriff in Kundus

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
Deutsche Welle In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. DeutschlandSkandinavienDie überkochende Wut junger Migranten in Schweden
  2. 2. AuslandTerror in LondonEine Mutter von zwei Kindern wird zur Heldin
  3. 3. DeutschlandEuro-Hawk-KriseOpfert de Maizière seinen Staatssekretär und Freund?
  4. 4. DeutschlandSS-Mann Lipschis„Er war ein Mörder. Er war ein Killer“
  5. 5. PanoramaJonny-K.-ProzessPolizist entlastet Onur U. – Angriff auf Tina K.
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote