Arbeitszeiten
Italienischer Minister will Mittagspause abschaffen
Mit dem Vorschlag, zur Steigerung der Produktivität die Mittagspause abzuschaffen, hat ein italienischer Minister einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. "Die Mittagspause schadet der Arbeit. Das ist ein Ritual, das das ganze Land lahmlegt", hatte der Minister erklärt. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten.
Ein Vorschlag des italienischen Ministers Gianfranco Rotondi zum Verzicht auf das ausgedehnte Mittagsmahl ist im Heimatland von Pizza und Pasta auf Ablehnung gestoßen.
Während Rotondi seinen Vorstoß mit Wirtschaftsinteressen und der schlanken Linie begründete, sprachen die Gewerkschaften von einem Angriff auf Arbeitnehmerrechte.
Ernährungswissenschaftler warnten, da die Italiener nur wenig oder gar nicht frühstückten, würden sie am Nachmittag wegen Unterzuckerung zusammenbrechen, wenn sie das Mittagessen ausließen.
Rotondi hatte argumentiert, die lange Mittagspause mit dem Verzehr einer warmen Mahlzeit aus Nudeln oder Fleisch, Gemüse, Obst und Espresso befördere Fettleibigkeit und schade der Wirtschaft.
Laut einer Studie des Verbands der Lebensmittelindustrie essen 44 Prozent der italienischen Arbeitnehmer in einem Restaurant oder einer Bar zu Mittag. 36 Prozent gehen in die Kantine, und weniger als fünf Prozent bringen sich ihr Essen von zu Hause mit zur Arbeit.
Der im Kabinett für die "Umsetzung des Regierungsprogramms" zuständige Rotondi hatte sich zudem dafür ausgesprochen, die subventionierte Kantine im Parlament zu schließen, "weil ihr Betrieb zu teuer ist und sie die Abgeordneten fett macht".
Der "Corriere della Sera" erinnerte anlässlich der Äußerung daran, dass Diktator Benito Mussolini 1924 beim Bemerken von Essensdüften im Parlament geschimpft habe: "Wir sind hier, um Gesetze zu machen, nicht um zu essen."
Angesichts der Kritik ruderte Rotondi mittlerweile zurück. Er habe niemals den Verzicht auf die Mittagspause gepredigt. "Ich habe nur gesagt, dass ich sie für mich vor 20 Jahren abgeschafft habe. Ideal wäre es, wenn die Arbeitnehmer eine Entscheidung träfen."
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