23.10.2013, 11:11

Bischof von Limburg Papst verordnet Tebartz-van Elst eine Amtspause


Franz-Peter Tebartz-van Elst muss sich für einige Zeit vom Amt in Limburg zurückziehen

Foto: Thomas Lohnes / Getty Images

Von Lucas Wiegelmann

Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll sich für einige Zeit von der Leitung des Bistums zurückziehen. Für ihn übernimmt ein Generalvikar die Geschäfte, teilte der Vatikan mit.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bleibt im Amt. Er werde aber "eine Zeit außerhalb der Diözese" verbringen, bis die Überprüfung der Vorwürfe gegen ihn abgeschlossen ist. Das teilte der Vatikan mit. Der Heilige Vater sei über die Lage in Limburg "zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden".

Papst Franziskus beauftragte den designierten Limburger Generalvikar Wolfang Rösch (54) mit der vorübergehenden Leitung der Amtsgeschäfte im Bistum. Als Delegat vertritt er den Bischof und hat weitgehende Rechte.

Rösch war erst Anfang Oktober zum neuen Generalvikar berufen worden, er sollte dieses zentrale Amt am 1. Januar 2014 übernehmen und dann den bisherigen Generalvikar Franz Kaspar ablösen. Mit der Entscheidung des Papstes wird dieser Schritt nun mit sofortiger Wirkung vorgezogen.

In der Diözese sei es zu einer Situation gekommen, in der der Bischof seinen Dienst "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann", heißt es in der Mitteilung des Vatikans. Und weiter: "In Erwartung der Ergebnisse besagter Prüfung und der damit verbundenen Vergewisserung über diesbezügliche Verantwortlichkeiten hält der Heilige Stuhl es für angeraten, S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren."Mit der kargen Erklärung beginnt nun der Kampf um die Deutungshoheit. Hat der Vatikan den umstrittenen Bischof damit gestärkt oder kalt gestellt? Die Formulierungen der vatikanischen Diplomatie geben darauf erste versteckte Hinweise.

Eine gute Nachricht für Tebartz-van Elst ist, dass der Papst keinen Administrator nach Limburg geschickt hat. Darüber war zuvor spekuliert worden. In der nun vom Papst beschlossenen Lösung tritt niemand an die Stelle des Bischofs, mit quasi-bischöflichen Kompetenzen. Stattdessen sorgt ein Generalvikar dafür, dass die Geschäfte im Bistum zunächst ordnungsgemäß weiterlaufen können.

Ein Generalvikar ist auch unter normalen Umständen die rechte Hand eines Diözesanbischofs, die Nummer 2 in einem katholischen Bistum. Wenn der nun den Chef vertritt, ist es eine ähnliche Konstruktion, wie wenn ein Bischof krank geschrieben ist, und danach wieder an seinen Platz zurückkehren kann.

Scharfe Formulierung

Schwerer wiegt allerdings die Passage: "In der Diözese ist es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof, S. E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst, seinen bischöflichen Dienst zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann."

Das ist eine scharfe Formulierung. Sie erinnert an die Passage im kanonischen Kirchenrecht, in der es um Rücktrittsmöglichkeiten eines Bischofs geht. Demnach soll ein Bischof seinen Amtsverzicht anbieten, wenn er "nicht mehr recht in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte wahrzunehmen". Das aktuelle Bulletin aus Rom lässt sich so interpretieren, dass der Vatikan einen solchen Fall für gegeben ansieht, zumindest "zum gegenwärtigen Zeitpunkt".

Ebenfalls ein Problem für den Limburger Bischof ist die Verfügung, dass Tebartz-van Elst sein Bistum vorübergehend verlassen muss. In der Vatikanerklärung heißt es: "Der Heilige Stuhl halte es für "angeraten, S. E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Zeit außerhalb der Diözese zu gewähren".

Erzwungene Abwesenheit ist selten

Traditionell ist es für einen Bischof heikel, sein Bistum zu verlassen. Als Oberhirte unterhält er nach katholischem Verständnis eine feste Verbindung zu seinen Gläubigen, und diese Verbindung darf nur in Ausnahmefällen und nur zeitlich begrenzt unterbrochen werden. Die erzwungene Abwesenheit eines Bischofs, vom Papst angeordnet, ist ein äußerst seltener Fall.

Wie lange Tebartz seinem Bistum fern bleiben muss, wird in dem Bulletin nicht gesagt. Es heißt, es müssten die Ergebnisse der geplanten "eingehenden Prüfung im Hinblick auf den Bau des Bischofssitzes" abgewartet werden.

Umständlich und gewunden ist außerdem die Rede von einer "damit verbundenen Vergewisserung über diesbezügliche Verantwortlichkeiten". Sprich: Der Vatikan will vor einer endgültigen Entscheidung die Frage geklärt wissen, ob und wenn ja welche Fehler Tebartz-van Elst gemacht hat. Eine Solidaritätserklärung des Papstes hätte wohl anders geklungen.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte die Entscheidung des Papstes. Sie schaffe "den notwendigen Raum zu einer vollständigen und konsequenten Klärung", teilte ZdK-Präsident Alois Glück mit. Das Vorgehen von Papst Franziskus sei von dem Wunsch geprägt, "allen Beteiligten, dem Bischof, den Gremien und allen Katholiken in der Diözese Limburg Fairness gegenüber walten zu lassen".

Osnabrücker Bischof hält Rückkehr für unwahrscheinlich

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode glaubt nicht, dass der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Posten behalten kann. "Eine Rückkehr des Bischofs in das Bistum Limburg und einen dortigen Neuanfang mit Tebartz–van Elst halte ich nach wie vor für sehr schwierig", sagte Bode der "Welt". "Es gibt in Limburg eine grundlegende Vertrauenskrise. Die Situation dort ist verfahren."

Bode begrüßte die Entscheidung des Vatikans, Tebartz-van Elst für eine gewisse Zeit zu beurlauben. "Die Entscheidung des Papstes halte ich für klug. Sie gibt allen Beteiligten nun ausreichend Zeit, in Ruhe die Situation zu prüfen", sagte Bode. "Damit können kommende Entscheidungen besser erwogen werden."

Morddrohungen gegen die Familie

Die Zeitschrift "Bunte" hatte zuvor von Drohungen gegen die Familie des Bischofs berichtet. Tebartz-van Elsts Schwager wird mit den Worten zitiert: "Wir bekommen täglich Morddrohungen." Auch in ihrem Heimatort werde die Familie beschimpft. "Mein Schwager liegt doch schon am Boden. Aber man will ihn noch weiter vernichten. Und seine Familie dazu."

Der Limburger Bischof steht wegen der explodierenden Kosten für seinen Bischofssitz in Limburg in der Kritik. Außerdem soll er eine falsche eidesstattliche Erklärung zu einem Flug in der ersten Klasse abgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft derzeit, ob sie nach Untreue-Anzeigen gegen den Oberhirten ein Ermittlungsverfahren einleiten wird. Derzeit nimmt eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Kommission die Kosten der Limburger Residenz unter die Lupe.

Schon seit langem brodelt es im Bistum Limburg. Bereits im März 2012 warf ein Kreis von Priestern Tebartz-van Elst einen autoritären Führungsstil vor. Im Sommer dieses Jahres reichte es dann auch der Basis: Mehr als 4000 Menschen unterzeichneten einen offenen Brief gegen die Amtsführung des Bischofs. Im Bistum Limburg, das sich auf Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz erstreckt, leben etwa 650.000 Katholiken.

(mit dpa)
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