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Neue EU-Außenministerin

Catherine Ashton – mit Stille und Effizienz ans Ziel

Außerhalb ihrer britischen Heimat ist sie gänzlich unbekannt, von ihren Kollegen wird sie aber hochgeschätzt. Mit der Ernennung von Catherine Ashton zur "Außenministerin" der EU ist zugleich etwas passiert, was man lange kaum für möglich gehalten hatte: Großbritannien ist wieder im Herzen der Europäischen Union verankert.

Ashton
Foto: AFP
Wird neue "EU-Außenministerin": Die britische Politikerin Catherine Ashton

Die Frau, die jetzt zur allgemeinen Überraschung, nicht zuletzt in Großbritannien, der Hohe Repräsentant für die EU-Außenpolitik geworden ist, könnte die hochnäsig Verwunderten bald eines Besseren belehren.

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Sie hat den täuschend verbindlichen Umgang eines Menschen, der durchaus weiß, was er will und weiß, wie er es erreicht. Insofern erinnert sie an ein berühmtes Wort von Margaret Thatcher: „Wenn ich eine Politik anzukündigen habe, wähle ich dazu gerne einen Mann. Wenn es darauf ankommt, sie durchzusetzen, eine Frau.“ Daran muss Gordon Brown gedacht haben, als er die 1999 in den Adelstand erhobene Baronin Catherine Ashton of Upholland gleich nach seinem Antritt als Premier im Sommer 2007 zum „Leader“ im Oberhaus ernannte, zur Geschäftsführerin in der Oberen britischen Kammer.

Es war ihre stille, aber effiziente Art, mit der Catherine (man nennt sie kurz Cathy) Ashton in allen ihren politischen Ämtern Freunde gewann sowie Achtung auch bei der Opposition. Lord McNally, einer ihrer Kollegen, rühmte ihre „seductive manner“, ihre verführerische Art. Während vor einem Jahr um den Lissabon Vertrag im Unterhaus hart gefochten wurde, brachte sie im House of Lords eine satte Mehrheit für den Vertrag zustande.

Noch markanter erwies sich Lady Ashtons Verhandlungs- und Überredungskunst vor drei Jahren in der Kontroverse um die britischen Universitätsgebühren. Im House of Commons kam die damalige Blair-Regierung nur knapp an einer Abstimmungsniederlage vorbei – im Oberhaus konnte Cathy Ashton eine Mehrheit von über einhundert Stimmen hinter der Regierung versammeln.

Denis MacShane, von 2002 bis 2005 Blairs Europa-Minister, meinte gestern: „Wer die Lords einzutreiben versteht, wird mit EU-Außenministern keine Probleme haben.“ Das wird man sehen.

Dass Cathy Ashton unauffällig und weitgehend unbemerkt die Etappen ihrer Laufbahn durchmaß, geht auf ein in britischen politischen Karrieren ungewöhnlichen Umstand zurück: Sie ist nie in irgendeines ihrer Ämter gewählt worden, hat nie eine Kampagne absolvieren, nie die Werbetrommel für sich rühren müssen – sie wurde immer nur kraft ihrer Begabung ernannt und befördert.

Das Lobbyieren um Posten ist ihr entsprechend fremd, ihre Erhebung zum Hohen Repräsentanten war erfolg-reich, gerade weil ihr auch nicht die Spur einer Bewerbung voraus ging. Es genügte die Achtung, die sich die Baroness in den kurzen 14 Monaten als EU-Handelskommissar intern erworben hatte, das hohe Maß an Vertrauen, das sie zu stiften wusste. Das gab den Ausschlag.

Die 1956 Geborene ist seit 1988 mit Peter Kellner verheiratet, einem renommierten politischen Kommentator, der als Direktor des Meinungsforschungsinstituts „You-Gov“ dieses zu einem der wichtigsten im Großbritannien gemacht hat. Zwei Kinder sind aus dieser Ehe hervor gegangen. Früh schon war Catherine Ashton zu den New Labour-Reformern gestoßen, vor allem in Fragen sozialer Gerechtigkeit in der durch große Ungleichheit durchfurchten britischen Gesellschaft.

Dabei lagen ihre Anfänge eher auf alter Labour-Linie: Nach einem 1977 absolvierten Soziologie-Studium an der University of London schloss sie sich der damals populären Kam-pagne für nukleare Abrüstung (CND) an und brachte es in dieser Organisation bis zur Stellvertreterin. Die britischen Abwehr MI5 hatte Cathy Ashton entsprechend im Visier; später kam heraus, dass ihr Telefon abgehört worden war.

Doch es dauerte nicht lange, da fand man die Frau im Mainstream sozialer Reformen. Sechs Jahre, bis 1989, leitete sie eine „Business in the Community“ genannte Institution, die das soziale Gewissen, die soziale Verantwortung des Unternehmertums zu wecken versuchte. Neue Aufgaben kamen hinzu, so im Arbeitgeberforum für behinderte Arbeitnehmer und bei anderen Programmen zum Abbau sozialer Ungleichheit. Auch Prinz Charles wurde auf den Einsatz der engagierten Ms Ashton aufmerksam und übertrug ihr zeitweise die Leitung seines eigenen Reformpro-gramms in diesen Fragen, des „Windsor Fellowship“.

Von 1998 bis 2001 und längst zum inneren Kreis der New Labour-Reformer um Tony Blair und Gordon Brown gehörend, leitete sie in der an London grenzenden Grafschaft Hertfordshire die Gesundheitsbehörde sowie ein schulisches Reformprogramm und setzte sich in ihrer Eigenschaft als Vizepräsidentin des Rats für „One Parent Families“ für Kinder aus zerbrochenen Familien ein.

Regierungsämter unter Labour folgten wie selbstverständlich. Unterstaatsekretärin im Erziehungsministerium, 2001, schließlich die gleiche Dienstbeschreibung im Ministerium für Verfassungsfragen, 2006. Die Einladung, in dieser Eigenschaft auch noch eine Stelle im Landwirtschaftsministerium zu bekleiden, schlug sie aus: Es ging Lady Ashton nicht um die Anhäufung von Posten.

Wichtiger dagegen wurde ihre Berufung im Jahre 2007 in den Privy Council, das ist jene Gruppe von „Weisen“, die von Fall zu Fall die Königin zu beraten hat. Auf Regierungsseite gehörten lediglich zwei zu diesem Gremium an: Der Premierminister und – Baroness Ashton. Man wusste inzwischen, was man an ihr hatte, an ihrer Diskretion und unanstößigen Effizienz.

Nur die britischen Medien wussten es nicht, auch nicht, als sie für den nach London zurück gerufenen Peter Mandelson dessen Amt als EU-Handelskommissar über-nahm. Was schert sich die britische Öffentlichkeit um Brüssel? So gut wie gar nicht. So blieben ihre EU-Leistungen so gut wie unberichtet, ihr entschiedenes Eintreten für die Offenhaltung der Märkte auch in Zeiten globaler Rezession, ob in Verhandlungen mit China oder mit den USA, etwa bei der leidigen Rindfleischfrage. Präsident Obamas Handelsvertreter Ron Kirk etwa, das wissen Eingeweihte, spricht von Lady Ashton in höchsten Tönen, obwohl ihm ihre Entschiedenheit nicht immer ins Konzept passte.

Warum stieg sie so schnell in der Achtung ihrer Kollegen in der EU-Kommission und bei allen, mit denen sie verhandelte? Weil sie nicht Peter Mandelson war. Dessen stille Arroganz und zuweilen abschätzigen Kommentare über Kommissionskollegen, auch seine Vernachlässigung von Ländern der Dritten Welt, so in Afrika, machten ihn herzlich unbeliebt. Auch half ihm nicht seine Tendenz, mit verdeckten Karten zu spielen, etwa bei Kontakten zu dem russischen Aluminium-Magnaten Oleg Deripaska, auf dessen Yacht in Korfu er sich im Sommer 2008 getroffen hatte.

Es ist nicht die Art von Baroness Ashton, abschätzig über irgendjemanden zu sprechen, schon gar nicht über ihren Vorgänger im Amt des EU-Handelskommissars. Aber mit ihren ersten Äußerungen nach Ernennung zum Hohen Repräsentanten der EU-Außenpolitik legte sie deutlich Distanz zwischen ihrem Auftreten und dem von Peter Mandelson.

„Ich kenne keine Oligarchen“, meinte sie schnippisch, „und war auch noch nie auf irgendjemandes Yacht.“ Das ist nicht gespielt, dahinter steckt vielmehr ihre „down-to-earth“ Qualität, diese Verwurzelung der Lady im heimischen Boden der nordenglischen Grafschaft Lancashire. Ihre Devise lautet „Offenheit“, das Spiel mit offenen Karten im Umgang mit dem jeweiligen Gegenüber. Oder, wie es jemand aus ihren privaten Umkreis gegenüber Morgenpost Online ONLINE formulierte: „Vertrauen ist alles, ohne diesen Nimbus, ohne Vertrauen ist in der vielgestaltigen EU nichts zu gewinnen.“

Das Vertrauen, das Catherine Margaret Ashton, alias Baronin Ashton Of Upholland – der Name eines Marktfleckens in West-Lancashire – für sich und ihre Art hat gewinnen können, wird ihr exzellente Dienste leisten bei ihrer neuen Aufgabe. Als Frau hat sie darüber hinaus den Vorteil, im Umgang mit den USA in Hilary Clinton auf eine Außenpolitikerin zu treffen, mit der sie sich bestens versteht, eine Paarung, die für die Beziehungen USA-EU von größter Bedeutung werden kann. Auch das gab für die Ernennung von Cathy Ashton den Ausschlag.

Last but not least verankert ihre Ernennung Großbritannien erneut im Herzen der Europäischen Union – eine Aussicht, die man schon fast glaubte, aufgeben zu müssen. Auch auf eine mögliche kommende Tory-Regierung kann dies nur heilsam wirken, als eine Entwicklung, die auf die abgründige Euroskepsis der britischen Konservativen moderierend wirken dürfte.

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