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Studie

Millionen Amerikaner haben zu wenig zu essen

Die Zahl der Amerikaner, die regelmäßig nicht genug zu essen haben, ist deutlich gestiegen. Fast 50 Millionen Menschen waren 2008 betroffen, mehr als eine Million Kinder hungerte täglich. Die Regierung ist alarmiert und will helfen. Konservative Kritiker aber bestreiten, dass es überhaupt ein Problem gibt.

Hungrig und obdachlos in New York
Foto: dpa
Hungrig und obdachlos in New York

Es ist ein kleinlauter Skandal in der reichsten Nation der Erde, leiser als Magenknurren: Fast 50 Millionen Amerikaner hatten 2008 regelmäßig Mühe, genug zu essen zu bekommen. Das sind vier Millionen Menschen mehr als im Vorjahr. Siebzehn Millionen Kinder in den USA lebten in Familien, in denen Nahrungsmittel knapp waren oder nicht verlässlich waren; mehr als 1,1 Millionen Kinder litten täglich Hunger.

Das US-Landwirtschaftsministerium lässt seit 1995 alljährlich „food insecurity“ (Nahrungsmittel-Unsicherheit) durch Umfragen überprüfen. Seine neuen Zahlen haben in ihrer Größenordnung selbst Experten überrascht. Präsident Barack Obama nannte die Studie „beunruhigend“ und gelobte zu handeln. Im Wahlkampf hatte er versprochen, bis zum Jahr 2015 den Hunger von Kindern in Amerika auszumerzen.

Landwirtschaftsminister Tom Vilsack sprach von einem „Weckruf“. Zwar helfe das staatliche Hilfsprogramm für Lebensmittelkarten, Schlimmeres zu verhindern. Doch spiegele die Studie auch die brutale Realität der Rezession mit einer Arbeitslosenquote von über zehn Prozent. Es könne für Familien, die zu wenig zu essen hätten, 2009 noch schlimmer kommen, bevor es (durch Maßnahmen der Regierung) besser werde.

Die Studie stellte fest, dass Haushalte alleinerziehender Mütter besonders anfällig für die Knappheit von Essen sind. Ein Drittel dieser Mütter hatte 2008 Mühe, sich und ihre Kinder zu ernähren. Schwarze und hispanische Familien waren doppelt so häufig betroffen wie weiße.

Ein Job hilft nicht unbedingt weiter

Der Hauptautor der Studie, Mark Nord, weist darauf hin, dass in den meisten Familien mindestens einer der Eltern Arbeit hatte. Mit anderen Worten: Nicht ein Job allein, sondern die Höhe der Bezahlung gibt den Ausschlag.

Der Zusammenhang zwischen mangelhafter, knapper, ungesunder Ernährung und Übergewicht bei Kindern mit all seinen krankhaften Folgen ist in den USA seit Jahren nachgewiesen. Doch bleibt die jüngste Studie schockierend. Vicki Escara, Präsidentin von „Feeding America“, der größten Dachorganisation von Nahrungsmittelbanken, kommentierte: „Das ist unvorstellbar. Es ist, als lebten wir in der dritten Welt.“

Konservative Kritiker der Studie bestreiten, dass sie einen Skandal enthüllt. Unsicherheit, woher die nächste Mahlzeit kommt, sei nicht gut, schreibt etwa das Blog „Say anything“, aber noch lange kein Hunger. Die Fragen in der Studie des Ministeriums seien suggestiv und verzerrten das Problem. Auch sei „food insecurity“ kein Armutszeugnis; nur 15 Prozent der Haushalte unterhalb der Armutsgrenze meldeten Knappheit.

Das seien gerade zwei Prozent der Amerikaner, „eine Erfolgsgeschichte“. Zumindest für jeden, der erkenne, was Vilsack und Obama in Wahrheit im Schilde führten: „So beginnt die Ausbeutung der neusten Krise, um die Macht des Staates, der Besteuerung und der Staatsausgaben auszudehnen.“



Erschienen am 18.11.2009

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