Linke
Lafontaine schweigt zu Krankheit, die Partei nicht
Mittwoch, 24. Februar 2010 12:09 - Von Miriam HollsteinSeinen heutigen Auftritt im saarländischen Landtag hat Linkenchef Oskar Lafontaine routiniert erledigt. Kein Wort verlor er über seine Krebserkrankung. In der Partei aber ist die Aufregung groß. Schon wird über mögliche Nachfolger spekuliert. Doch Lafontaines Kritiker sollten ihn besser nicht zu früh abschreiben.
Business as usual, diesen Eindruck versuchte der derzeit allein amtierende Linken-Fraktionschef Gregor Gysi zu erwecken. Er hat für den Nachmittag zu einer Pressekonferenz geladen, um die Klausur der Bundesregierung in Meseberg zu kommentieren. Die Aufmerksamkeit in Sachen Linke ist indes ins Saarland gerichtet. Denn dort, im saarländischen Landtag, hatte Oskar Lafontaine heute Mittag seinen großen Auftritt.
Erst am Dienstag hatte er bekannt gegeben, dass er an Krebs erkrankt ist. Die Nachrichtenagentur dpa meldet, es handele sich bei Lafontaines Erkrankung um Prostatakrebs. Am Donnerstag wird er in der Saar-Uniklinik in Homburg bereits operiert.
Vor und während seiner Rede wirkte Lafontaine gefasst, Sorgen wegen der bevorstehenden Operation waren ihm nicht anzumerken. Seine Erkrankung erwähnte er mit keinem Wort. Zu seinen stärksten Auftritten zählte die Rede dennoch nicht. Gelegentlich verhaspelte er sich, verlor kurzfristig den Faden, wirkte mitunter kurzatmig.
In seiner Partei gärt es derweil. Während die Südwest-Linke erklärte, Lafontaine sei derzeit „unverzichtbar“ für die Linke, waren aus Thüringen andere Töne zu hören. Nach Einschätzung des Thüringer Linken-Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow muss sich seine Partei gezielt auf die Zeit nach Oskar Lafontaine vorbereiten, unabhängig von der Krebserkrankung des Parteichefs.„Es muss sowieso ohne Lafontaine gehen. Das hat nichts mit seiner Krebsoperation zu tun“, sagte Ramelow der „Leipziger Volkszeitung“ vom. „Bei einem Lebensalter von 66 Richtung 67 bei Lafontaine muss man sich als Partei auf den Wechsel vorbereiten.“
Sachlich war diese Aussage zweifellos richtig, doch der Zeitpunkt der Äußerung ließ erahnen, wie tief das Zerwürfnis zwischen Ramelow und der Parteiführung sein muss, nachdem dieser versucht hatte, in Thüringen um fast jeden Preis eine Regierungsbeteiligung zu erzielen. An Lafontaines autoritärem Führungsstil, an seiner teils unberechenbaren und wenig transparenten Art der Entscheidungsfindung, haben sich viele in der Linken gestoßen. Und manch einer sehnt schon länger seinen Rückzug herbei. Doch bei allen Querelen käme ein längerfristiger Ausscheiden Lafontaines aus der Politik für die Partei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.Bis 2011 muss sie ein Programm erarbeiten. Wie schwierig diese Aufgabe ist, hat der interne Streit um die Regierungsbeteiligung der Linken in Brandenburg einmal mehr gezeigt. Ein Rückzug Lafontaines aber würde dazu führen, dass die Personaldebatte vorerst jene um das Programm überlagern würde.
Schon kursieren hinter vorgehaltener Hand erste Namen, wer die Vakanz an der Parteispitze füllen könnte, wenn sie denn entstünde. Linken-Geschäftsführer Dietmar Bartsch wird genannt, die stellvertretende Pateivorsitzende Katja Kipping oder eben auch Bodo Ramelow, der sich nach dem Scheitern der Regierungsbeteiligung in Thüringen dort nun eher unterbeschäftigt fühlen dürfte.Viele warnen davor, zu früh über Lafontaines Rückzug zu spekulieren. In der Tat hat der 66-Jährige mehrfach bewiesen, welcher starker Antrieb die Politik für ihn ist. Eine Rückkehr in selbige nach überstandener Krankheit wäre nicht sein erstes Comeback.
Erschienen am 18.11.2009






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