Linken-Chef
Krebskranker Lafontaine überrascht seine Partei
Hartnäckig hielten sich die Gerüchte, seit der "Spiegel" von einer angeblichen Affäre des Linken-Parteichefs Oskar Lafontaine mit seiner Genossin Sahra Wagenknecht berichtet hatte. Nun ergriff Lafontaine die Initiative. Doch was er mitteilte, hatte nichts mit der Wortführerin der Kommunistischen Plattform zu tun.
Von Miriam Hollstein
Oskar Lafontaine (68), Fraktionschef im Saarland, gilt als wichtigste Stimme der Linken aus dem Westen. Aus dem Bundestag zog er sich im Februar 2010 zurück. Zuvor hatte er sich einer Krebsoperation unterziehen müssen. Jetzt will er im Saarland eine rot-rote Koalition schmieden – die SPD lehnt das allerdings ab.
"Ich werde mich am Donnerstag zu einem seit Längerem geplanten chirurgischen Eingriff in eine Klink begeben. Es handelt sich um eine Krebserkrankung", sagte Lafontaine. "Nach überstandener Operation werde ich zu Beginn des neuen Jahres unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe", hieß es weiter.
Spekulationen über Lafontaines Gesundheitszustand hatte es schon seit Monaten gegeben. Sie erhielten neue Nahrung, als der 66-jährige Lafontaine bei der Klausurtagung der Linken Mitte Oktober in Rheinsberg überraschend seinen Rückzug vom Fraktionsvorsitz bekannt gab.
Er wolle sich stärker der Parteiarbeit und dem Ausbau der Linken im Westen widmen, begründete Lafontaine seinen Schritt. Das Gerücht, es könne einen gesundheitlichen Grund haben, hielt sich ebenso wie jenes, seine Frau habe Lafontaine gedrängt, häufiger zu Hause zu sein.
Lafontaine hatte die Gerüchte über seinen Gesundheitszustand stets dementieren lassen. Im Gegenteil: Mehrfach hatte er mit seinem guten Gesundheitszustand kokettiert. Er jogge täglich, um sich in Form zu halten, sagte er vor der Bundestagswahl.
Wer ihn im Wahlkampf im Saarland begleitete, erlebte in der Tat einen Mann, der bei brütender Hitze stundenlang und ohne die geringsten Ermüdungserscheinungen durch die Stadt spazieren, Interviews geben und Wahlkampfreden halten konnte.
Die Nachricht von seiner schweren Erkrankung kam deshalb auch für viele Parteifreunde vollkommen überraschend. Seit wann er davon wusste und welche Form von Krebs er hat, das ließ Lafontaine gestern offen. Schon vor geraumer Zeit hatte er seine Zukunft in der Linkspartei an sein Befinden geknüpft: "Solange ich gesund bin, werde ich weiter mitmischen."
Es ist nicht der erste Schicksalsschlag für Lafontaine. 1990 war er während des Wahlkampfs als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl Opfer eines Messerattentats. Eine geistesgestörte Frau stach ihn in den Hals und verletzte ihn lebensgefährlich. Noch Jahre später sagte Lafontaine über die Folgen des Attentats: "Ich habe dieses Trauma, dass ich plötzlich völlig aus der Bahn geworfen wurde."
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