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13.11.09

Studienystem

Schavan versteht Unzufriedenheit Studierender

Angesichts anhaltender Studentenproteste hat Annette Schavan (CDU) ihre Kollegen in den Ländern aufgerufen, die mit ihr verabredeten Hochschulreformen möglichst schnell umzusetzen. Auf Morgenpost Online spricht die Bildungsministerin über unzufriedene Studenten, die Reform der Reform und zu volle Studiengänge.

© ddp/DDP
Schavan
Hat Verständnis für die Studenten: Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Morgenpost Online: Frau Schavan, mittlerweile protestieren Studenten in 20 deutschen Städten. Können Sie die Unzufriedenheit dieser jungen Menschen verstehen?

Annette Schavan: Ja. Nachdem es in den vergangenen Jahren viele Gespräche zwischen mir und den Wissenschaftsministern der Länder gegeben hat, fragen die Studenten jetzt nach Ergebnissen. Es sind schließlich Beschlüsse gefasst worden, also muss man auch erklären, welche Veränderungen kommen.

Morgenpost Online: Was muss sich in Ihren Augen am dringendsten ändern?

Schavan: Das ist sehr unterschiedlich. Die eigentliche Umsetzung der Reform geschieht ja in den Hochschulen. Also ist das Gespräch mit den Ländern nötig, um zu sehen, wo ist der Umstellungsprozess gut gelungen, wo hapert es. Die Vereinbarung, die nach meinen Gesprächen beschlossen wurde, sieht zum Beispiel den Abbau von Überspezialisierung vor, eine Verbesserung der Mobilität, mehr Klarheit beim Zugang zu den Master-Studiengängen, Sicherung und Weiterentwicklung des Bafög und noch einige andere Dinge. Kurzum: Der Beschluss der KMK zum Bologna-Prozess muss umgesetzt werden.

Morgenpost Online: Also kommt nun eine Reform der Reform?

Schavan: So kann man es nennen.

Morgenpost Online: Stellen Sie den Bologna-Prozess inzwischen grundsätzlich infrage?

Schavan: Nein. Das ist ein internationaler Prozess, an dem sich 46 Länder beteiligen. Übrigens gibt es Proteste auch in anderen Ländern. Das zeigt: Wer eine große Reform ansetzt, muss darüber auch den Dialog mit den Beteiligten führen. Das ist ja eine wirklich neu eingeführte Studienlandschaft.

Morgenpost Online: Viele Studenten klagen seitdem, dass das verschulte Bachelor/Master-System kaum akademische Freiheiten lässt, nur straffe Stundenpläne schafft – und am Ende einen "Schmalspurabschluss" ermöglicht.

Schavan: Für Geisteswissenschaftler ist das vielleicht eine neue Erfahrung. Die Studiengänge dürfen inhaltlich nicht zu vollgestopft sein. Und Struktur bietet auch Orientierung. Bei aller Kritik: Ein Bachelor-Abschluss bietet hervorragende Berufschancen. Dazu sind allerdings auch entsprechende Signale von Unternehmen nötig.

Morgenpost Online: Welche Vorteile sehen Sie in der neuen Studienordnung?

Schavan: Die Bologna-Reform ist mit vielen Chancen verbunden, neue attraktive Studiengänge sind entstanden – auch darüber muss in den Hochschulen geredet werden. Meine Gespräche mit Studenten haben bereits gezeigt, dass es ein breites Spektrum an Zuspruch gibt. Übrigens ist längst auch eine Studenteninitiative in Deutschland entstanden – pro Bologna.

Morgenpost Online: Manche Kritiker, wie der Deutsche Hochschulverband, werfen Ihnen vor, Sie hätten zu lange zugesehen und den "Bologna-Zug" in die Sackgasse fahren lassen. Und ein Grünen-Politiker monierte gestern, Sie hätten Ihre Verantwortung an Länder und Hochschulen abgeschoben.

Schavan: Das ist grober Unfug. So redet eine Opposition, die vergessen hat, dass es eine rot-grüne Regierung gab, als der Bologna-Prozess eingeführt wurde. Ich bin die erste Ministerin auf Bundesebene, die gesagt hat: Die Reform ist richtig, braucht aber in der Umsetzung Korrekturen. Die Bundesregierung hat dafür so viel Verantwortung übernommen wie keine vor ihr, zum Beispiel durch die Fortsetzung des Hochschulpakts und weitere finanzielle Zusagen. Die christlich-liberale Koalition wird in den vier nächsten Jahren zwölf Milliarden Euro zusätzlich in Bildung und Forschung investieren.

Morgenpost Online: Finanzminister Schäuble hat gestern im Bundestag erneut auf die dramatische Haushaltslage des Bundes hingewiesen. Können Sie sich gegen ihn durchsetzen?

Schavan: Ich muss mich nicht gegen Herrn Schäuble durchsetzen, weil er die Beschlüsse für mehr Investitionen für Bildung und Forschung voll mitträgt. Das ist übrigens ein starkes Signal an die junge Generation.

Morgenpost Online: Sie müssen also nicht kämpfen?

Schavan: Ich beschäftige mich mit dem wirksamen Einsatz dieser Mittel. Deswegen sage ich auch den Studierenden und denen, die im Bereich Bildung und Wissenschaft arbeiten: Die finanziellen Investitionen müssen mit guten Konzepten verbunden werden. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Die Bildungsrepublik Deutschland ist genauso eine Frage der kreativen Umsetzung und der Begeisterung. Mein Appell an die Studenten lautet: Verbinden Sie Demonstration mit Dialog in der Hochschule.

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