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26.10.09

Atomstreit

Gaddafi will Atomwaffen für arabische Staaten

In den Atomstreit mit dem Iran hat sich nun auch der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi eingeschaltet. In einem TV-Interview sprach er sich dafür aus, dass alle arabischen Staaten ein Recht auf Atomwaffen haben sollten. Das gelte insbesondere für die Palästinenser – schließlich habe auch Israel Nuklearwaffen.

© dpa
Muammar al-Gaddafi

Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat sich für das Recht arabischer Staaten und "auch der Palästinenser" auf den Besitz von Atomwaffen ausgesprochen. "Wenn die Israelis Nuklearwaffen haben und über atomare Kapazitäten verfügen, so haben auch die Ägypter, Syrer und Saudiaraber ein Recht darauf", sagte Gaddafi in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Sky News.

"Sogar die Palästinenser sollten welche haben, denn ihre Kontrahenten oder Feinde verfügen auch über nukleare Kapazitäten – warum also nicht?" Gaddafi fügte hinzu: "Sollten wir diese Situation nicht wünschen, dann müssen wir Israel von seinen Atomwaffen und -kapazitäten entwaffnen".

Zum iranischen Atomprogramm befragt, sagte Gaddafi, sollten die Iraner tatsächlich an der Atombombe bauen, "werden wir alle gegen sie sein". Er wies jedoch darauf hin, dass Teheran eigenen Angaben zufolge ein friedliches Atomprogramm verfolge. Bislang habe der Iran nicht erklärt, dass er an der Bombe arbeite. Er sagte nur, dass er Uran anreichere.

Der Iran verweist zu Vorwürfen, er wolle unter dem Deckmantel der zivilen Atomenergienutzung Atombomben bauen, darauf, dass alle seine Uranvorräte unter Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) stehen und er im Gegensatz zu Israel den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat.

Israel verfügt Experten zufolge über bis zu 200 Atomsprengköpfe. Die israelische Führung hat mehrfach zu verstehen gegeben, ein iranisches Atomwaffenprogramm notfalls durch einen militärischen Angriff stoppen zu wollen.

Inspektionen im Iran

Derweil haben Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA iranischen Medienangaben zufolge eine Atomanlage in dem Golfstaat inspiziert, deren Existenz die Islamische Republik erst vor kurzem enthüllt hatte.

Mit weiteren Besichtigungen der im Bau befindlichen zweiten Anlage zur Urananreicherung des Iran sei zu rechnen, fügte die halbstaatliche Nachrichtenagentur Mehr hinzu. Der Aufenthalt der vier Mitglieder zählenden Abordnung wird voraussichtlich mehrere Tage dauern. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Weder die IAEA noch die Experten äußerten sich zunächst zu dem Einsatz.

Die Einrichtung befindet sich in einem Berg in der Nähe der den Schiiten heiligen Stadt Kom. Sie liegt 160 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran. Der Iran hatte die Existenz dieser Anlage erst im September eingeräumt und damit neue Zweifel an seinem Atomprogramm geweckt.

Der Westen wirft dem Land vor, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung aus Kernenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das. Zur Entschärfung des Atomstreits hatte die IAEA dem Iran, den USA, Russland und Frankreich vorgeschlagen, den größten Teil des Vorrats an schwach angereichertem iranischen Uran im Ausland zu Brennstoffen für medizinische Zwecke zu verarbeiten. Eine bis Freitag gesetzte Frist ließ der Iran verstreichen und kündigte eine Antwort für Mitte dieser Woche an.

Einflussreiche iranische Politiker haben den IAEA-Vorschlag kritisiert. Sie bemängeln unter anderem, dass er auf ein Aussetzen der Uran-Anreicherung hinausläuft, was die Führung in Teheran wiederholt abgelehnt hat.

US-Präsident Barack Obama dankte Russland und Frankreich derweil für die Zusammenarbeit beim Zustandekommen des jüngsten IAEA-Vorschlags. In Telefonaten mit seinen Kollegen Dmitri Medwedew und Nicolas Sarkozy sei die volle Unterstützung für die Initiative bekräftigt worden, erklärte das US-Präsidialamt. An den Bemühungen um eine Beilegung des Atomstreit ist neben den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien auch Deutschland beteiligt.

Quelle: AFP/Reuters/kami
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