Italien
Sexskandal erschüttert größte Oppositionspartei
Der wegen einer möglichen Sexaffäre erpresste Präsident der mittelitalienischen Region Latium, Piero Marrazzo, ist zurückgetreten. Zuvor war bekanntgeworden, dass in Rom vier Carabinieri festgenommen worden waren. Sie hatten den Politiker der Mitte-Links-Partei PD mit einem Video erpressen wollen.
Von Alessandra Rizzo
Nach den jüngsten Skandalgeschichten um den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wird nun auch die oppositionelle Demokratische Partei (PD) von einer Sexaffäre erschüttert. Laut Medienberichten gibt es ein Video, das den ranghohen PD-Politiker Piero Marrazzo mit einem Transsexuellen in einer römischen Wohnung zeigt. Vier Polizisten seien in Haft, weil sie versucht hätten, den 51-jährigen Marrazzo mit dem Video zu erpressen.
Die Behörden erklärten, dass entsprechende Ermittlungen im Gange seien. Die Existenz des Videos selbst wurde aber nicht bestätigt. Marrazzo erklärte, es handele sich dabei um eine Fälschung, mit der er aus der Politik gedrängt werden solle. Gleichwohl legte er sein Amt des Regionalpräsidenten von Latium nieder. Zu der Region gehört auch Rom.
Er wolle der Linkspartei nicht schaden und auch seine Familie aus der Debatte um seine Person heraushalten, betonte Marrazzo. "Es ist eine persönliche Angelegenheit, in der Schwächen, die mit meiner Privatsphäre zu tun haben, ins Spiel kommen", sagte er in einer Erklärung. "Die Fehler, die ich gemacht habe, haben in keiner Weise mein öffentliches Handeln beeinflusst."
Der Skandal kam kurz vor der Urwahl eines neuen PD-Vorsitzenden ans Tageslicht. Eine Vorwahl findet 25. Oktober statt. Um den Posten bewerben sich Amtsinhaber Dario Franceschini sowie der frühere Industrieminister Pier Luigi Bersani und Iganzio Marino.
Letzterer gilt als Außenseiter, Bersani indes als Favorit. Die größte Oppositionspartei hat sich von ihrer Niederlage gegen Berlusconis Konservative im April 2008 noch nicht erholt.
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