Künftiges Kabinett
Wird jetzt ein Mann Familienminister?
Angela Merkel als Kanzlerin und Guido Westerwelle als Außenminister sind gesetzt. Doch wer schafft es noch ins Kabinett? Das Familienressort könnte erstmals seit langem wieder ein Mann übernehmen. Für viele Posten gibt es gleich mehrere Anwärter. Die Gerüchteküche in Berlin brodelt kräftig.
Von Joachim Peter
Eine kinderlose Kanzlerin Merkel, ein kinderloser Außenminister Westerwelle – wenigstens der Familienminister sollte doch eigenen Nachwuchs vorweisen können, flachste dieser Tage ein Unterhändler am Rande der Koalitionsverhandlungen. Bisher hatte Ursula von der Leyen das Amt inne, die bekanntlich sieben Kinder gebar. Angeblich aber will die CDU-Politikerin ins Gesundheitsressort wechseln.
Und das würde bedeuten: Kanzlerin Angela Merkel muss sich nach einer Nachfolgerin umsehen. Oder eben nach einem geeigneten männlichen Nachfolger. Warum eigentlich nicht?, sagte jener Unterhändler. Union und FDP hätten ja auch Familienväter in den Reihen. Auf die Schnelle fällt einem etwa der FDP-Politiker Otto Fricke ein, der bisher Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag ist. Fricke ist 43 Jahre alt, bekennender Protestant und hat drei Kinder. Das Finanzressort ist für den ambitionierten Haushaltsexperten ohnehin versperrt – hier dürfte ein anderer zum Zuge kommen.
Gleich mehrere Spitzenpolitiker sind für das zentrale Staatsamt im Gespräch: Der bisherige Kanzleramtschef Thomas de Maizière, Innenminister Wolfgang Schäuble, Hessens Ministerpräsident Roland Koch (alle CDU), Noch-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms.
Von der Besetzung des Finanzressorts werden viele andere Personalentscheidungen abhängen: So könnte Guttenberg auch Verteidigungsminister werden oder aber Wirtschaftsminister bleiben. Für letzteres Ressort steht in der FDP mit Rainer Brüderle ein weiterer Kandidat in der Warteschleife. Der erfahrene rheinland-pfälzische Ex-Minister und FDP-Vize ist jedoch flexibel einsetzbar: Das Landwirtschaftsministerium, welches derzeit die CSU-Politikerin Ilse Aigner innehat, könnte er ebenso übernehmen – oder auch das Verkehrsressort.
Dem Vernehmen nach liebäugelt jedoch die CSU, allen voran Landesgruppenchef Peter Ramsauer, mit diesem Ressort. Ramsauer hat sich in der Vergangenheit bereits viel mit Außenpolitik herumgeschlagen und käme daher auch – als Pedant zu Westerwelle – als Entwicklungshilfeminister infrage.
Doch alles ist noch Spekulation: Bleibt Annette Schavan (CDU) Bundesforschungsministerin, oder wird sie von ihrer Unionskollegin Aigner oder von der FDP-Politikerin Cornelia Pieper im Amt abgelöst? Und wer von den Generalsekretären wird neuer Arbeitsminister? Ronald Pofalla (CDU) oder Dirk Niebel (FDP)?
Und wer hat künftig den Posten des Kanzleramtsministers inne, wenn de Maizière einen anderen Posten bekommt? Hier ist etwa der bisherige Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen (CDU), im Gespräch. Der könnte aber auch Schäuble als Innenminister beerben oder Umweltminister werden. Die Gerüchteküche brodelt weiter vor sich hin.
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