Zentralrat der Juden
Broders Kandidatur als "lustige Fantasie" verhöhnt
Samstag, 6. Februar 2010 16:47Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland gibt der Kandidatur des Publizisten Henryk M. Broder für das Präsidentenamt der Organisation "keine Chance". Dieter Graumann nannte das Ansinnen Broders zwar "legitim", bezeichnete aber dessen Kritik am Zentralrat als "sehr ungerecht, ungehörig und falsch".

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die angekündigte Kandidatur des Publizisten Henryk M. Broder (63) für das Amt des Verbandspräsidenten als „lustige Fantasie“ bezeichnet.
Broder müsste erst über einen Landesverband oder eine Gemeinde in den Zentralrat delegiert werden, um überhaupt eine Chance auf den Spitzenposten zu haben, sagte Vizepräsident Dieter Graumann in Berlin. Broders Anliegen sei "legitim", dessen Kritik an der amtierenden Präsidentin Charlotte Knobloch und Generalsekretär Stephan Kramer jedoch „sehr ungerecht, ungehörig und falsch“.In einem Beitrag für den „Tagesspiegel“ hatte Broder verkündet, dass er Nachfolger von Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch werden wolle.
„Als Präsident des Zentralrates wäre Broder eine fulminante Fehlbesetzung. Provokation ist seine Passion und Profession“, sagte Graumann. Broder sei ein begnadeter Provokateur, ihm fehlten aber die Eigenschaften für die Position eines Zentralratspräsidenten.
In dem Zeitungsbeitrag hatte Broder geschrieben, der Zentralrat befinde sich in einem „erbärmlichen Zustand“. Die Verbandsspitze trete „als Reue-Entgegennahme-Instanz auf“ und sei von „kleinkariertem Größenwahn“ befallen.
„Die Präsidentin – intern Tante Charly genannt – scheint von dem Job überfordert“, schrieb Broder. „Es kann nicht die Aufgabe des Zentralrates sein, sich als das gute Gewissen Deutschlands aufzuführen.“ Als Präsident wolle er sich dafür einsetzen, dass die Holocaust-Leugnung nicht mehr strafbar ist. Er würde auch die Beziehungen zu jenen Moslems suchen, die für eine strikte Trennung von Staat und Gesellschaft eintreten.
Knobloch selbst ließ erklären, von ihr gebe es keine Stellungnahme dazu. Graumann sagte dazu, Broder habe jede Chance angehört, „aber keine Chance Präsident zu werden“. Dafür müsste er sich erst einmal in der jüdischen Gemeindearbeit engagieren.dpa/AP/dcsErschienen am 22.10.2009






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